
Die Versuchung liegt nahe, Die Fährte des Grauens als Abklatsch eines Dutzends besserer Tiermonsterfilme wie den Bahn brechenden Weißen Hai abzutun.
Bis zu einem gewissen Grad folgt er der stereotypen Horrorfilmformel, schmeißt die übliche Auswahl nicht zusammen passender Figuren zusammen, die von Schauspielern der B-Liga dargestellt werden und einer nach dem anderen dran glauben müssen.
Sie begegnen sich auf der Jagd nach einem legendären, 9 Meter langen, Menschen fressenden Krokodil in der Wildnis Afrikas. Da gibt es das attraktive Fernsehreporter-Paar (Dominic Purcell und Brooke Langton), deren flachsenden Kameramann (Orlando Jones bleibt der rassistischen Tradition humorvoller schwarzer Figuren treu, die Horrorfilme in der Regel nicht überleben), einen bissigen Krokodiljäger (Gideon Emery), einen Tourführer mit persönlichen Gründen für die Monsterjagd (Jürgen Prochnow) und etliche Eingeborene.
Aber Die Fährte des Grauens ist gar nicht so stereotyp, wie es zunächst den Anschein hat. Er hebt sich aufgrund zweier Faktoren ab: Zum einen ist er in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Afrika angesiedelt, das Kameramann Edward Pei in üppigen rot-goldenen Tönen einfängt. Brutale Soldaten und Rebellen erzeugen genauso viel Spannung und Gefahr wie die schwer zu fassende Bestie.
Es mag geschmacklos erscheinen, einen Horrorfilm zwischen den tragischen Begebenheiten des wirklichen Lebens anzusiedeln, wäre da nicht der zweite positive Aspekt des Films: Er basiert auf einer wahren Geschichte um ein Krokodil namens Gustave, das die Einwohner Burundis über Jahre hinweg terrorisierte. Ein Großteil des Films ist eng an einen Artikel im National-Geographic-Magazin angelehnt, der die erfolglose Jagd nach dem Killerkrokodil beschrieb.
Der Film lässt zwar das Geschick vieler seiner Vorgänger (wie Jurassic Park, Deep Blue Sea oder sogar Lake Placid) vermissen, aber wenn man um seine Hintergründe weiß, kann man die Story eher goutieren. Technisch ist er auf hohem Niveau angesiedelt, die computergenerierten Krokodil-Spezialeffekte sind angemessen, besonders in den gut gefilmten Nachtszenen. Was man als Zuschauer am nachhaltigsten in Erinnerung behalten wird, ist allerdings die Aussage, dass die tödlichsten Geschöpfe auf Erden am Ende doch wieder die Menschen sind. LD
USA 2007 (Primeval) Regie: Michael Katleman. Buch: John Brancato, Michael Ferris. Mit: Dominic Purcell, Brooke Langton, Orlando Jones, Jürgen Prochnow. Buena Vista. 93 Min. Ab 21. Juni 2007 im Kino.
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