Vor zwei Jahren porträtierte der deutsche Regisseur Klaus Stern mit seinem Film Weltmarktführer – Die Geschichte des Tan Siekmann die Firma Biodata und seinen Manager, das ein klassisches Beispiel für die aufgeblähte New Economy lieferte, die abstrakte Millionen- und Milliardengeschäfte abwickelte, bevor sie wie ein Ballon zerplatzte.
Die Geschichte des Jungspunds Tan Siekmann wirkt gegen den Fall Enron allerdings wie ein Kinderspiel. Enron war in den 80er Jahren ein Zusammenschluss zweier desolater Gasfirmen. Durch Kenneth Lay wurde aus dem Konzern schnell ein Energievermittler, der zunehmend auf abstrakter Ebene zum Zwischenhändler wurde.
100 Milliarden Dollar Umsatz machte Enron im Jahr 2000, 20.000 Angestellte arbeiteten für den Betrieb – u.a. in den beiden charismatischen, ovalen Zwillingstürmen in Houston, die kurz nach ihren weltbekannten Brüdern in New York symbolisch zusammenbrachen: Im Dezember 2001 musste Enron Insolvenz anmelden. Die Bilanz: 20.000 Mitarbeiter wurden entlassen, 2,5 Milliarden Dollar an Pensionsfonds veruntreut. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Unternehmen von Anfang an mit krimineller Energie zur Selbstbereicherung geleitet, falsche Angaben gemacht und Unregelmäßigkeiten vertuscht wurden.
Regisseur Alex Gibney schildert auf der Basis der Buchvorlage von Peter Elkind und Bethany McLean die dramatischen Ereignisse, die weite Kreise bis ins Weiße Haus zogen, da zwischen Enron und der Familie Bush schon lange enge Kontakte bestanden. Gibney untersucht kurzweilig und spannend mit Hilfe zahlreicher Interviews, ob das finanzielle Desaster Ergebnis der Machenschaften einiger weniger krimineller Kapitalisten war, oder insgesamt eine Bankrotterklärung für das aufgeblasene und zynische System des harten Kapitalismus darstellt. CM
USA 2005. Regie und Buch: Alex Gibney. Mit: Kenneth und Jeffrey Lay, Peter Elkind, Bethany McLean, Dick Cheney, George W. Bush. Kinowelt. 109 Min. Ab 25. Januar 2007 im Kino. |