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Ekkelins Knecht


Nachdem die Hochzeit des Ritterfilms mit dem bezeichnenderweise zum besten Western (!) des Jahres gekürten 'El Cid' 1961 in Hollywood zu Ende ging, hat sich das Genre erst wieder im Sog der Fantasyfilme zu Beginn des neuen Jahrtausends erneuert.

Auch in Deutschland hat es 35 Jahre gedauert, bis sich wieder eine einheimische Produktion den Rüstung- und Schwert-Abenteuern zugewandt hat. Und das mit einem Etat (250.000 €), mit dem man normalerweise nicht einmal ein „kleines“ Fernsehspiel auf die Beine stellen könnte.

Und dennoch ist es dem TV-Regisseur Reinhard Kungel in seinem ersten Kinofilm 'Ekkelins Knecht' gelungen, ein atmosphärisch dichtes Bild jener Jahre zu zeichnen, als die mittelalterliche (Land-)Gesellschaft langsam der (städtischen) Neuzeit zu weichen begann.

Der Film erzählt die Geschichte des Rossknechtes Konrad (Philipp J. Sprongl), der sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts dem fränkischen Ritter Ekkelin Geyling (Peter Klewitz, der auch das Drehbuch schrieb) verdingt. Als Ekkelin, basierend auf der historischen Gestalt des Raubritters Eppelein von Gailingen, zum Bauernopfer einer Fehde zwischen seinem Lehnsherren und dem Landgrafen von Hohenzollern wird, wendet er sich frustriert dem Raubrittertum zu. Als er in einen Hinterhalt gerät, verhaftet und schließlich hingerichtet wird, schlüpft Konrad in die Rüstung seines Herrn und versucht, doch noch den Traum vom „edlen“ Ritter zu leben...

Ähnlich wie Rosenmüllers neu-bayrischer Heimatfilm 'Wer früher stirbt ist länger tot' ist Kungels Film eine Art fränkisch-regionaler Ritterfilm. Vielleicht startet der Verleih ihn deshalb erstmal mit fünf (Probe-)Kopien im süddeutschen Raum. Verdient hätte 'Ekkelins Knecht' aber auf jeden Fall eine weitere Verbreitung, auch wenn man erst mal seine „gelernten“ Ansprüche an das Genre etwas zurückschrauben muss.

Statt auf ein Star-Ensemble in verschwenderischen Dekors trifft man eher auf eine Laienspielschar vor romantischer Freilufttheater-Kulisse, denen so mancher hölzerne Dialog in den Mund gelegt wird. Dann wieder besticht der Film durch seine genaue Zeichnung des Ritteralltags und realistische Schlachtengetümmel, die etwas von der „bleiernen“ Schwere jener Kämpfe erahnen lassen, genauso wie die knallroten Tupfer im farbentsättigten Bild von Macht und Tod zeugen. Genauso eindringlich haben Kungel und Klewitz die anrührende Liebesgeschichte zwischen Konrad und der Magd Agnes (Katrin Klewitz) eingewoben, die selbst im tragischen Ende noch Poesie ausstrahlt. Rolf-Rüdiger Hamacher

D 2008. Regie: Reinhard Kungel. Buch: Peter Klewitz. Mit: Peter Klewitz, Philipp J. Sprongl, Yvonne Brosch, Johannes Ernst, Katrin Klewitz, Till Klewitz. 108 Min. 3L. Ab 1. Mai 2008 im Kino.

 

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