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Eine unbequeme Wahrheit




Al Gore war unter der Regierung Bill Clintons der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. In dieser Funktion war er maßgeblich daran beteiligt, für globalen Umweltschutz einzutreten und Gespräche zum Kyoto-Protokoll in die Wege zu leiten.

Seinen größten Bekanntheitsgrad erlangte er im Jahr 2000 freilich durch eine Niederlage, die so hauchdünn wie nur möglich ausfiel: Als Präsidentschaftskandidat für den Posten des mächtigsten Mannes der Welt unterlag er seinem Kontrahenten George W. Bush aufgrund des Wahldebakels im US-Bundesstaat Florida.

Michael Moore nahm diesen Wahlausgang in seinen Büchern und im Film Fahrenheit 9/11 zum Anlass, von Bush nur noch als dem „Präsidenten“ der Vereinigten Staaten in Anführungszeichen zu sprechen. Al Gore indessen nahm die Wahlschlappe schon sehr früh wie ein Mann hin und konzentrierte sich in Folge wieder auf die unbequeme Wahrheit der globalen Erderwärmung, mit der er sich schon seit seiner Collegezeit eingehend beschäftigt hatte. In weit über tausend Veranstaltungen weltweit hat der engagierte Politiker seitdem vor kleinem bis mittelgroßem Publikum seine Multimediaveranstaltung abgehalten, in der er auf ebenso eindringliche wie unterhaltsame Weise vor den Folgen der Erderwärmung warnt.

Davis Guggenheim hat Al Gore über Monate hinweg bei seinen Reisen um die ganze Welt mit seinem Filmteam begleitet und seine Show, aber auch Momente fernab des Rampenlichts mit der Kamera festgehalten. Der Wert dieser Dokumentation ist dabei gar nicht zu unterschätzen, ermöglicht er es dem Redner Al Gore doch nun erstmals, nicht nur einige hundert, sondern Millionen Menschen gleichzeitig zu erreichen.

Insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika ist es höchste Zeit, dass sich auch der Ottonormalverbraucher den Gefahren bewusst wird, denen er sich und seine Kinder aussetzt, wenn nicht einige grundlegende Dinge und Verhaltensweisen geändert werden.

Aber auch hierzulande, wo man als gut informierter Bürger sicherlich schon die meisten Fakten über die Zusammenhänge zwischen dem Abschmelzen der Polkappen und den immer gefährlicher werdenden Naturkatastrophen einmal gehört hat, kann man aus Eine unbequeme Wahrheit einige nicht zu unterschätzende Informationen gewinnen und bekommt zudem auch Möglichkeiten aufgezeigt, wie man als Einzelner noch immer etwas verändern kann. Denn auch wenn es schon fünf vor zwölf ist, ist es dem Menschen längst gelungen, Mittel und Wege zu finden, die die Katastrophe zu verhindern wissen – sofern auch die Politik dabei endlich mitspielt.

Das außerordentliche rhetorische Talent, mit dem Al Gore seine Präsentation immer wieder mit humorvollen Anekdoten und kurzweiligen Filmchen auflockert, wendet Davis Guggenheim gleichfalls in seiner Filmversion an. Damit die Konzentration des Publikums bei all den geballten Fakten, Schaubildern, Zahlen und Statistiken nicht auf der Strecke bleibt, lockert der Regisseur seinen Film immer wieder mit Momenten der Ruhe und des Innehaltens auf.

Wenn es einen Dokumentarfilm gibt, den Sie sich in diesem Jahr unbedingt anschauen sollten, dann ist dies zweifellos Eine unbequeme Wahrheit, der einem noch in mancherlei Hinsicht die Augen öffnen kann. FB

USA 2006 (An Inconvenient Truth) Regie und Kamera: Davis Guggenheim. Mit: Al Gore. UIP. 100 Min. Ab 12. Oktober 2006 im Kino.