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Ein Freund von mir




Jürgen Vogel in seinem schätzungsweise 37. Film in diesem Jahr. Im Gegensatz zu seinem Auftritt in Der freie Wille spielt er hier an der Seite von Daniel Brühl einen ausgesprochen liebenswerten Menschen. Meint man, doch er spielt eigentlich gar keinen wirklichen Menschen.

Der lange erwartete Nachfolger von Absolute Giganten-Regisseur Sebastian Schipper entpuppt sich nach anfänglichem Schwung als arg schematisiertes Selbstfindungsdrama, in dem die von Vogel gespielte Figur alleine als Antipode zur Hauptfigur funktioniert.

Hans könnte man einen Lebenskünstler nennen, weil er alles auf die leichte Schulter nimmt, allem etwas Gutes abgewinnen will und immer fröhlich ist. Karl (Daniel Brühl) ist das Gegenteil von ihm: Erfolgreich arbeitet der gelernte Mathematiker bei einer großen Versicherung, trägt schicke Anzüge, ist aber notorisch unglücklich. Die kühle, aber nur halb eingerichtete Designerwohnung spricht Bände über den Seelenzustand des Karrieristen.

Genau wie die Schwarzweiß-Charakterisierung der beiden Hauptdarsteller sind auch symbolträchtige Inszenierungskniffe etwas zu deutlich geraten. Karl soll Mensch werden, Hans ihm den freundlichen Tritt in den Arsch verpassen. Das macht er, indem er Karl das schöne Leben zeigt: nackt Porsche fahren, Urschreie ausstoßen oder die Freundin miteinander teilen. Klingt nach dumpfem Machoismus, wird einem hier aber als höchst sympathisches Nette-Jungs-Ding verkauft.

Einzelne Szene und Dialoge sind durchaus gelungen, und die Filmmusik gehört zum Besten, was man im Kino als musikalische Untermalung angeboten kriegt. Der Film verliert sich allerdings in Klischees und die Figuren werden nie lebendig. Die wunderbare Sabine Timoteo, die die Frau zwischen den beiden Jungs spielt, kann den Film leider auch nicht aus seiner Steifheit retten, weil sie viel zu selten im Bild ist. CM

D 2006. Regie und Buch: Sebastian Schipper. Mit: Jürgen Vogel, Daniel Brühl, Sabine Timoteo, Peter Kurth, Michael Wittenborn, Steffen Groth. X-Verleih. 84 Min. Ab 26. Oktober 2006 im Kino.