Merkwürdige Filme macht Rudolf Thome. Das hat ihm seit seinem großen Erfolg Rote Sonne von 1969 nur noch selten viele Zuschauer eingebracht, einige Preise immerhin.
Wie bei Eric Rohmer wirken die Szenen sehr additiv aneinandergereiht, sie ergeben keinen Fluss, scheinen nur kurze Ausschnitte des Alltags zu sein. Diese Ausschnitte und die Dialoge sind allerdings derart pointiert, dass sich gegen den äußeren Schein eine sehr künstliche Atmosphäre einstellt. Die Protagonisten scheinen nur an ihre Positionen gestellt, um bedeutungsschwere Kommentare zum Leben, zur Liebe und auch zum Tod abzugeben.
Dieser Part kommt in Thomes neuem Film vor allem Hannelore Elsner zu, mit der er nach Rot und Blau und Frau fährt, Mann schläft bereits zum dritten Mal hintereinander zusammenarbeitet und nun die Trilogie „Zeitreisen“ abschließt: Die ehemalige deutsche Schwimmmeisterin Johanna lebt alleine und versucht, ihren Alltag als Rentnerin einzurichten. Eine neue Beziehung mit dem jüngeren, erfolglosen Schriftsteller Johannes lässt sie aufblühen. Als sich bei ihm doch noch der Erfolg einstellt und er weggeht, ist Johanna auf sich zurückgeworfen.
Per Off-Kommentar kann der Zuschauer Johannas Gedankengängen folgen. Monologe, das weiß man von anderen Filmen, sind sicherlich Elsners Spezialitäten. Hier läuft sie den halben Film alleine durch die Welt und sortiert ihre Gedanken.
Dass der Handlungsverlauf auf ihre Kommentare zu reagieren scheint, klingt nach einer Überkonstruktion der Story. Aber Thome spielt ironisch mit den Wahrscheinlichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten des Lebens. Es ist nur folgerichtig, dass er den Film zum Ende ins Märchenhafte gleiten lässt. Auch das mit ironischem Unterton. Man muss diese Feinheiten nur ebenso zu lesen wissen, wie das Ende, wenn der Mann fährt, die Frau schläft. CM
D 2005. Regie und Buch: Rudolf Thome. Mit: Hannelore Elsner, Johannes Herrschmann, Anna de Carlo, Urs Remond, Bastian Trost. 118 Min. Ab 20. April 2006 im Kino. |