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Drachenläufer


Amirs Kindheit in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist bestimmt durch seine Freundschaft zu Hassan, dem Sohn des Hausdieners seiner Familie.

Als dieser eines Tages in Bedrängnis gerät, verrät ihn Amir. Die Invasion der Russen treibt Amir und seinen Vater in die Flucht, bevor er seinen Fehler wieder gut machen kann.

Khaled Hosseini steht mit seinem zweiten Roman „Tausend strahlende Sonnen“ auch hierzulande wieder auf den Bestsellerlisten, auf denen sich auch noch nach wie vor sein Erstling „Drachenläufer“ aus dem Jahr 2004 befindet. Der Absolvent der medizinischen Hochschule von San Diego, der jahrelang als Internist praktizierte, hat in seinem Debütroman eine Geschichte erzählt, die zwar fiktional, seiner eigenen jedoch nicht unähnlich ist.

Hosseini schildert eine Kindheit im Afghanistan der 70er Jahre, beschreibt eine Flucht ins liberalere Ausland und die Schwierigkeiten, in den USA in einem nicht standesgemäßen Milieu wieder Fuß zu fassen. Darüber hinaus ist Drachenläufer die universelle Geschichte eines jugendlichen Verrats, einer nagenden Schuld und einer späten Wiedergutmachung.

Marc Forster, der sich mit seinem Film Wenn Träume fliegen lernen in die Untiefen hoffnungslos verkitschter Hollywoodunterhaltung begeben hatte, beweist in diesem Film wieder deutlich mehr Stilsicherheit und Gespür für das rechte Maß an Sentimentalität.

Den seinerzeit in Kabul überaus beliebten Freizeitsport des Drachensteigenlassens nutzt er genau wie Khaled Hosseini in seiner Vorlage als symbolträchtige Metapher für das Band der Freundschaft und wie leicht dieses zerreißt. Die Flugdrachen werden als Klammer für die Erlebnisse Amirs genutzt, der im Laufe der Handlung zum selbstbestimmten und mutigen Mann reift. Insbesondere im letzten Drittel wagt sich Forster über die persönliche Schilderung eines afghanischen Lebens hinaus und wird explizit politisch, nachdem er die historischen Gegebenheiten zuvor lediglich für eine authentische Hintergrundschilderung genutzt hatte.

Einige wenige Abstriche an den gefühlsseligen Hollywoodgeschmack müssen freilich auch hier gemacht werden, aber besonders erfreulich ist die Tatsache, dass man aus der Story kein Vehikel für US-Stars zauberte, sondern bewusst auf arabische Darsteller vertraut und auch in der Musikuntermalung dankenswerterweise zurückhaltend bleibt und die Geschichte für sich selbst sprechen lässt. TS

USA 2007 (The Kite Runner) Regie: Marc Forster. Buch: David Benioff. Mit: Khalid Abdalla, Homayoun Ershadi, Zekiria Ebrahimi, Ahmad Khan Mahmoodzada, Shaun Toub, Nabi Tanha, Ali Danesh Bakhtyari. Universal. 122 Min. Ab 17. Januar 2008 im Kino.

 

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