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El Custodio – Der Leibwächter




Rubén ist der persönliche Leibwächter des argentinischen Ministers für Planung. Stumm und ständig abrufbereit, hält er sich stets im Hintergrund, wo auch immer der Politiker sich gerade befindet.

Da bleibt nicht viel Zeit für ein Privatleben, das bei Rubén von dessen verkorkster Verwandtschaft bestimmt wird. Rubén ist bestenfalls eine Randerscheinung im Leben des sich selbst allzu wichtig nehmenden argentinischen Politikers.

Das macht Rodrigo Moreno schon in der allerersten Einstellung seines Filmes spürbar, in der er seinen Protagonisten bei der morgendlichen Routine im Badezimmer zeigt. Die Kamera nimmt dabei die gleiche außenstehende Beobachterfunktion ein, die Rubén selbst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Der Blick aus dem dunklen Flur macht lediglich den rechten Rand des Bildes für den Zuschauer sichtbar, in dem wir Rubén beim Frisieren durch die halb geöffnete Badezimmertür beobachten können.

Genauso stumm und scheinbar emotionslos werden wir den Endvierziger auch während seines Bewacherjobs erleben, der von Routine, steter Bereitschaft und unauffälliger Wachsamkeit geprägt ist. Rubén wird dabei auch immer wieder Zeuge von intimen Augenblicken aus dem Leben seines Auftraggebers, und wird auch diese mit stoischer Distanziertheit hinnehmen. Doch stille Wasser sind meist tiefer, als es zunächst den Anschein hat.

Rodrigo Moreno ist ein hoffnungsvolles neues Regietalent Lateinamerikas, dem mit El Custodio bereits ein erfolgreicher Einstand als Filmemacher geglückt ist. Sein Drehbuch wurde auf dem Sundance Filmfestival ausgezeichnet, der fertige Film auf der Berlinale gezeigt. Besonders hohes Lob hagelte es dabei zu Recht auch für den einnehmenden Hauptdarsteller Julio Chávez, der seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Schauspielern Argentiniens zählt und hier sein Talent eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Gerade in Rollen wie der des Rubén, der in allen Szenen des Films präsent ist und trotzdem so gut wie keinen Dialog hat, offenbart sich die wahre Größe eines Schauspielers. Da bleibt kein Raum für theatralisches Overacting, da kann nicht mit Mätzchen gearbeitet werden, da lebt jede einzelne Einstellung von der Mimik und Gestik der zentralen Figur. Und diese wahrlich beachtliche Herausforderung meistert Julio Chávez mit akkurater Präzision und preiswürdiger Bravour. FB

ARG/D/F 2006 (El Custodio) Regie und Buch: Rodrigo Moreno. Mit: Julio Chávez, Osmar Núñez, Marcelo D’Andrea, Elvira Onetto, Cristina Villamor. (O.m.U.) RealFiction. 95 Min. Ab 24. Mai 2007 im Kino.

 

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