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Congo River


Es ist die klassische „Reise ins Herz der Finsternis“ – Joseph Conrad-Reminiszenzen aller Orten, wenn Thierry Michel sich mit einem abenteuerlichen Riesenfloß auf die Reise von der Mündung zur Quelle des Kongo macht.

Was er dort sucht, ist nichts anderes als die Erklärung für ein zerrissenes Land, das noch immer an den Nachwehen des Kolonialismus leidet und das allein vom zweitgrößten Fluss der Erde, Hauptschlagader und Rückgrat zugleich, zusammengehalten wird.

Michels Kamera fängt sowohl die überwältigende Postkartenschönheit des Kongo ein, als auch die alltäglichen Absurditäten, die das Leben auf und an ihm ausmachen. Oft erwischt man sich bei ungläubigem Kopfschütteln. Mal belustigt über improvisierte Boot- und Floß-Konstruktionen; mal verstört vom Ablasshandel korrupter Wanderprediger, die einen kruden Mix aus Katholizismus und Naturreligion mit ökonomischen Heilsversprechen garnieren; mal entsetzt über die Berichte von Vergewaltigungsopfern, die in den Bürgerkriegswirren den falschen Milizen in die Hände fielen.

Der profilierte Dokumentarfilmer erzählt und zeigt vieles, einen roten Faden, ein Argument vermisst man jedoch oft. Allein die Richtung seiner Reise scheint schon das Fazit seines Films vorwegzunehmen: Rückschritt, nicht Aufbruch, Scheitern, nicht Chance sind die Schlagworte, die unter dem Strich seiner Expedition stehen – und dort schon lange vor Reiseantritt standen.

So entsteht ein schwieriges Porträt, das sich zwar redlich bemüht, Hintergründe und Ursachen für die heutige Situation des Kongo aufzudecken, jedoch – und hier trägt auch der oberlehrerhaft dramatisierte Off-Kommentar entscheidend zu bei – letztlich die europäische Klischeevorstellung vom „dunklen Kontinent“ kaum erweitern, geschweige denn widerlegen kann oder will. UZ

B/F/FIN 2005 (Congo River – au-delà des ténèbres) Regie und Buch: Thierry Michel. Buch: Thomas Cheysson. Musik: Lokua Kanza. Kamera: Michel Téchy. Schnitt: Marie Quinton. (O.m.U.) Kairos. 116 Min. Ab 7. Dezember 2006 im Kino.