Chiko will sich in Hamburg als neuer Drogendealer etablieren. Mit Gewalt macht er von sich reden und damit den Big Boss auf sich aufmerksam. Doch Chikos bester Freund Tibet begeht einen folgenschweren Fehler, der vom Boss gewaltsam geahndet wird. Chiko steht plötzlich zwischen den Fronten.
Fatih Akin hat das Regiedebüt von Özgür Yildirim produziert und damit sicherlich nicht unerheblich zur Vermarktbarkeit des schonungslosen deutschen Thrillers beigetragen. Dabei hätte der Film rein qualitativ weder einen renommierten Produzenten noch große Namen wie Moritz Bleibtreu oder Denis Moschitto benötigt. Was er uns über Bandenleben in der Hansestadt erzählt, ist authentisch und brutal, und auch die weniger bekannten Darsteller der weiteren Hauptrollen können durch ihre wahrhaftigen Interpretationen nur begeistern.
Mit unverhohlenen Anleihen an amerikanische Gangsterfilme ist dem Team hier etwas geglückt, was es auf solch hohem Niveau in Deutschland bislang noch viel zu selten gibt: Sie haben einen Genrefilm gedreht, und noch dazu einen, der durch seine Charakterzeichnungen Tiefgang und Substanz erhält.
Im Zentrum des Films steht die langjährige Freundschaft zwischen Chiko und Tibet, der für ihn wie ein Bruder ist, was sich auch im guten Verhältnis zu Tibets Mutter niederschlägt, die als Dialysepatientin auf eine Spenderniere wartet. Die Aussicht, mit viel Geld auf dem Schwarzmarkt eine Niere kaufen zu können, setzt die unheilvolle Spirale aus Diebstahl, Betrug, Gewalt und Gegengewalt schließlich in Gang.
Yildirim zeigt auf, wie auch immer wieder Glauben und Religion eine wichtige Rolle im Leben der türkischstämmigen Jugendlichen spielen. Dennoch sollte man seinen Film eher als exemplarische Milieustudie verstehen, die aufgrund des autobiografischen Hintergrundes der Filmemacher zwar unter Deutschtürken angesiedelt ist, in jedem anderen sozial schwachen Umfeld aber genauso funktionieren würde. Ein spannender und auch moralischer Gangsterfilm, dessen Gewaltszenen aufgrund ihres Authentizitätsfaktors in die Magengrube treffen. Frank Brenner D 2008. Regie und Buch: Özgür Yildirim. Mit: Denis Moschitto, Volkan Özcan, Moritz Bleibtreu, Fahri Ogün Yardim, Reyhan Şahin, Lilay Huser, Lucas Gregorowicz. Falcom. 92 Min. Ab 17. April 2008 im Kino.
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