'Chaos' – der Titel ist hier Programm. Nicht nur auf den Straßen Choubras, eines Viertels Kairos, in dem der ebenso korrupte wie skrupellose Polizeioffizier Hatem jegliche Tumulte auf brutale Weise im Keim ersticken lässt, auch in der Liebe herrscht hier Chaos.
So ist besagter Hatem von der hübschen Nour besessen, die jedoch nichts von dem rücksichtslosen Beamten wissen will. Sie selbst ist wiederum insgeheim in den idealistischen Assistenten des Staatsanwalts verliebt, der aber bereits mit einer anderen Frau verlobt ist. Als diese jedoch ohne sein Wissen das gemeinsame Kind abtreiben lässt, trennt er sich von ihr und erwidert schließlich die Gefühle, die Nour seit langem für ihn hegt. Als Hatem davon erfährt, dreht dieser durch.
Chaotisch ist hier vor allem aber die filmische Umsetzung dieser Wirren. Die Regisseure haben sich wohl nicht entscheiden können, ob sie ein Liebesmelodram, die ernsthafte Charakterstudie eines despotischen Polizisten oder doch eher ein parodistisches Porträt desselben drehen wollten. Herausgekommen ist dann schließlich eine uninspiriert zusammengeschusterte Geschichte, die bisweilen an eine schlechte Soap erinnert und zunehmend unglaubwürdiger wird.
Weder ist nachvollziehbar, warum sich der Staatsanwalt nach der Trennung von seiner Verlobten ganz plötzlich in Nour unsterblich verliebt, die er zuvor vollkommen ignoriert hatte, noch macht Hatems lächerliche Entführung von Nour viel Sinn, zumal die anschließende Vergewaltigung mit der inszenatorischen Subtilität eines Bulldozers umgesetzt wurde.
Angesichts all dieser Schwächen fällt auch die immer wieder anklingende, sicherlich gut gemeinte Kritik an einem korrupten Staatssystem leider nicht mehr allzu sehr ins Gewicht. Carlos Corbelle F/EG 2007 (Heya Fawda) Regie: Youssef Chahine, Khaled Youssef. Buch: Nasser Abdel-Rahmane. Mit: Khaled Saleh, Mena Shalaby, Youssef El Sherif, Hala Sedky, Hala Fakher. mîtosfilm. 124 Min. Ab 20. März 2008 im Kino.
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