Es gibt Schauspieler, die sind einfach immer wieder aufs Neue für eine Überraschung gut. Da meint man, den mittlerweile knapp 60jährigen französischen Superstar Gérard Depardieu aufgrund seiner mehr als einhundertfünfzig Filmrollen in den letzten 35 Jahren einigermaßen zu kennen.
Dicker ist er in den letzten Jahren geworden, gesetzter auch, denn die wilden Jahre, in denen er auch privat ständig für Schlagzeilen sorgte, scheinen vorbei. Doch dass er im Herbst seiner Karriere auf einmal noch zum Chansonnier wird, erstaunt einen dann doch.
In der Rolle des Alain Moreau spielt Depardieu in Chanson D’Amour einen in die Jahre gekommenen Unterhaltungssänger, der mit seiner Band in Tanzsälen der französischen Provinz und in Altersheimen auftritt. Besonders die Herzen der alten Damen fliegen ihm zu. Privat lebt er jedoch von seiner Frau getrennt, als ihm von einem gemeinsamen Bekannten die Hausmaklerin Marion vorgestellt wird, die seine Tochter sein könnte, in die er sich aber mehr und mehr zu verlieben beginnt. Kein Wunder, denn auch diese Rolle ist mit dem französischen Shootingstar Cécile de France äußerst liebenswert und treffend besetzt.
Dennoch ist es das Urgestein (oder Zentralmassiv, wie es im Film einmal heißt) Depardieu, das den Film zu einem formidablen Ereignis macht. Neun teilweise recht bekannte französische Chansons gibt der Schauspieler im Laufe des Films zum besten, und er tut dies mit einer solchen Inbrunst und einem derartigen Charme, dass man sich fast nicht vorstellen kann, dass er das nicht schon sein ganzes Leben lang gemacht hat. Mindestens genauso interessant wie dieses neu entdeckte Gesangstalent sind aber auch die Figuren, denen Xavier Giannoli in seinem Film nachspürt. So gelang ihm eine bitter-süße Tragödie, eine elegante Komödie und ein Beziehungsdrama gleichermaßen. FB F 2005 (Quand j’étais chanteur) Regie und Buch: Xavier Giannoli. Mit: Gérard Depardieu, Cécile de France, Mathieu Amalric, Christine Citti, Patrick Pineau, Alain Chanone, Christophe. Prokino. 112 Min. Ab 18. Januar 2007 im Kino. |
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