Über die Länder des ehemaligen Ostblocks brach nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fast von heute auf morgen eine wahre Lawine des kommerziellen Overkills herein, in Tschechien allein entstanden innerhalb von nur fünf Jahren 120 Supermärkte.
Die Menschen dort waren somit nicht nur Novizen der freiheitlichen Grundordnung, sondern auch der freien Auswahl im Warenregal und der Appelle der Werbeindustrie an ihr Bewusstes und Unbewusstes. Eine Entwicklung im Zeitraffer, die bisweilen krude Blüten trieb.
Die beiden tschechischen Filmemacher Vít Klusák und Filip Remunda machten nun die Probe aufs Exempel: Wie groß ist die Manipulationsmacht der Medien und die Verführbarkeit ihrer Landsleute zum Konsum? Sie starteten einen Werbefeldzug für einen Hypermarkt am Stadtrand von Prag, den es gar nicht gab. Dafür beauftragten sie eine bekannte Agentur, welche die ganze Stadt mit Zeitungsanzeigen und Fernsehspots überzog – mit Slogans, die im Grunde einen ehrlichen Rat gaben, im Werbekontext aber als besonders smarte Negativ-Aufforderung aufgefasst werden konnten: Nicht hingehen! Kein Geld ausgeben! Nirgends anstellen!
Tatsächlich kamen zur Eröffnung 4000 Menschen und fanden nur eine Fassade aus Holz und Plastikbahnen vor. Ein amüsantes Experiment, vorausgesetzt, man gehörte nicht zu denen, die den beschwerlichen Weg in die Prager Outskirts angetreten hatten. Ein Experiment aber auch, das zumindest für uns Kommerzerprobte keinerlei Überraschungen bringt.
Dass die Macht der Werbung und des Konsums irrationales Verhalten produziert, ist ein alter Hut. Dass ihr das auch in Osteuropa gelingen würde, verblüfft nur mäßig. So bleibt uns nur die schale Schadenfreude über die Angeschmierten, wie man sie aus Streichen der Versteckten Kamera kennt. Die wäre übrigens noch größer gewesen, wenn den Filmemachern so richtig die Ohren lang gezogen worden wären. Die hatten sich aber schon früh aus dem Staub gemacht. Wohlweislich. MS CS 2004. Regie und Buch: Vít Klusák, Filip Remunda. 87 Min. Ab 6. April 2006 im Kino. |