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Caravaggio




Michelangelo Merisi da Caravaggio, italienischer Maler, 1571-1610. Derek Michael Jarman, britischer Filmregisseur, 1942-1994. Wahlverwandte, nicht nur im Hinblick auf ihr Schwulsein.

„Keine Hoffnung – keine Angst“ lautet die Gravur auf Caravaggios Messer. Vielleicht auch ein Motto für Jarmans Leben und AIDS-Sterben. Das ist freilich Spekulation, aber die Empathie, mit der Jarman sich Caravaggio annähert, zeugt von mehr als bloßer Bewunderung.

1986 kam Caravaggio in die Kinos und war damals neuartig und provokant. Kunstkino, aber eben nicht akademisch. Intellektuell, aber eben nicht blasiert. Dafür kraftvoll und wütend. Es war die Thatcher-Ära und für Jarman war die „Eiserne Lady“ ein Feindbild, an dem er sich wunderbar abarbeiten konnte.

Jetzt, zwanzig Jahre später, kommt der Film zur Wiederaufführung. Und tatsächlich: Er ist immer noch aufregend. Der politische Background ist verblasst, das lässt der Geschichte mehr Luft, macht das Drama wuchtiger.

Caravaggio erzählt assoziativ, in Rückblenden und Zeitsprüngen. Dreh- und Angelpunkt: die Liebe zwischen dem Spieler Ranuccio, der Hure Lena und Caravaggio. Eine Dreierkonstellation aus Lust, Leid und Tod. Obszön und blasphemisch. Schön und erhaben. Ohne Hoffnung, ohne Angst.

Wie Caravaggio das Personal seiner biblischen Bildmotive in Kleider des Barock hüllte, so inszeniert auch Jarman nicht authentisch, sondern adäquat: Licht und Bildkomposition sind der Barockmalerei nachempfunden. Doch dahinein integriert sich nahtlos eine Schreibmaschine, oder das Geräusch eines fernen Zuges.

Caravaggio raucht Zigaretten, Ranuccio, nicht unironisch, eine schwule Pin-up-Phantasie, schraubt am Motorroller. Und wenn Lena (die junge Jarman-Muse Tilda Swinton) im Goldlicht träge ihr langes, rotes Haar löst, ist das gar einer jener Momente von atemberaubender, zeitloser Schönheit. SG

GB 1986. Regie und Buch: Derek Jarman. Mit: Nigel Terry, Dexter Fletcher, Tilda Swinton, Sean Bean, Michael Gough, Spencer Leigh, Robbie Coltrane. Salzgeber. 93 Min. Ab 7. September 2006 im Kino.