Neil Armfield hat mit Candy zwar seinen ersten Spielfilm inszeniert, ist in Australien aber keineswegs ein Unbekannter. Der 1955 geborene Regisseur ist seit Jahrzehnten einer der innovativsten und erfolgreichsten Männer des australischen Theaters.
Wie sein britischer Kollege Sam Mendes (American Beauty) hat eben auch Armfield zunächst seine Meriten an den großen Bühnen seines Landes verdient und nun erst sehr spät den Schritt zum Film gewagt. Der Vergleich mit Mendes liegt also sowohl aus biografischer als auch aus stilistischer Hinsicht nahe.
Die Geschichte Candys wird von ihrem langjährigen Freund Dan erzählt. Die beiden verbindet die Liebe zum Exzess, zum Rausch und zur grenzenlosen Hingabe. Der Film setzt ein, als auch Candy vom Heroin-schnupfen zum -spritzen übergeht und somit zusammen mit Dan immer weiter in den Strudel aus Abhängigkeit und Ausweglosigkeit hineingezogen wird. Die gemeinsame Sucht resultiert in ständiger Geldknappheit, weswegen Candy schon bald anschaffen geht.
Auch wenn Neil Armfield mit seinem Regiedebüt kein filmisches Neuland betreten hat, kann sein schonungsloses Drogendrama dennoch weitgehend überzeugen. Natürlich wird so manches überstrapazierte Klischee bedient, aber die intensiven Darstellerleistungen machen dieses Manko schnell wieder wett.
Sowohl Heath Ledger als bemühter, aber aufgrund seiner eigenen Abhängigkeit hilfloser Freund Dan als auch die Newcomerin Abbie Cornish in der Titelrolle überzeugen mit bewegenden und überaus fesselnden Charakterisierungen. Trotz dieser schauspielerischen Brillanz in den Hauptrollen ist es einmal mehr eine Nebenfigur, die aufgrund ihres talentierten Darstellers in all ihren kurzen Szenen stets die Schau stiehlt: Geoffrey Rush zieht als schwuler, ausgefuchster, aber überaus liebenswerter väterlicher Freund und Drogenlieferant Casper sämtliche Register. FB
AUS 2006. Regie und Buch: Neil Armfield. Buch: Luke Davies. Mit: Heath Ledger, Abbie Cornish, Geoffrey Rush, Tara Morice, Nathaniel Dean, Tom Budge. Concorde. 116 Min. Ab 21. September 2006 im Kino. |