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Brügge sehen…und sterben?

Ray und Ken sind ein ungleiches Paar von Auftragskillern. Ihr Boss Harry hat sie dieses Mal nach Brügge beordert, wo sie nun ungeduldig im Hotelzimmer auf die Kontaktaufnahme warten. Ray hat an der Tatsache zu knabbern, dass bei einem seiner zurückliegenden Jobs auch ein unschuldiges Kind zu Tode kam. Respektlose Gangsterfilmpersiflage.


Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) bilden das ideale Gespann für ein x-beliebiges Buddy Movie. Jung, hübsch und draufgängerisch der eine, dick, alt und gesetzt der andere. Doch Martin McDonagh liegt es in seinem Regiedebüt fern, ausgetretene Genrepfade ein weiteres Mal entlang zu stapfen. Er braucht die beiden zentralen Figuren vielmehr, um sie für so manche schwarzhumorige Pointe auszuschlachten und das Publikum in einer Sicherheit zu wägen, die mit fast jeder Szene aufs Wirkungsvollste durchbrochen wird.

Harry (Ralph Fiennes), der mysteriöse Auftraggeber, taucht lange Zeit überhaupt nicht auf, meldet sich schließlich telefonisch, aber ohne Parallelmontage – er bleibt im Laufe des Gesprächs mit Ken einfach unsichtbar, was McDonagh nicht daran hindert, die Szene zum Brüllen komisch zu inszenieren. Es gibt auch die obligatorische Rückblende zu dem fehlgeschlagenen Auftrag, der Ray nun die Gewissensbisse beschert. Aber auch der ist alles andere als herkömmlich inszeniert und für so manche respektlose Überraschung gut.

'Brügge sehen…und sterben?' verströmt viel von jenem typisch britischen Humor, der aus anderen Ländern nur schwer vorstellbar ist. Heilig ist seinem Filmemacher so gut wie nichts – da gibt es Breitseiten auf Filmemacher, die Kirche, Amerikaner, das Gangstermilieu und immer wieder auf Brügge, jene wahlweise „traumhaft schöne mittelalterliche Stadt“ oder das „verfluchte Scheißkaff“. Das alles ist niemals politisch korrekt, sondern stets so unverschämt und bissig, dass man mit einer entsprechenden Einstellung aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Deftig blutig wird’s an so mancher Stelle auch, aber auch das ist schließlich nur eine wirkungsvolle Spielart des schwarzen Humors. Auch wenn die Handlung so manche unvorhergesehene Wendung für sein Publikum bereithält, ist die größte Überraschung in der Besetzung zu suchen: Colin Farrell, der bislang in erster Linie durch effektvoll nach oben gezogene Augenbrauen vor der Kamera agierte, erweist sich hier endlich als ernstzunehmender Schauspieler und begnadeter Komödiant. Frank Brenner

B/GB 2007 (In Bruges) Regie und Buch: Martin McDonagh. Mit: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Jérémie Rénier, Clémence Poésy, Jordan Prentice, Željko Ivanek. Tobis. 105 Min. Ab 15. Mai 2008 im Kino.

 

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