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Brave Story

Von phantastischen Welten und irdischen Problemen: Während seine Familie auseinander bricht, wird ein kleiner Junge zur letzten Hoffnung für das magische Reich „Vision“.


Angesichts der enormen, nahezu jedes Genre abdeckenden Bandbreite japanischer Animes, ist es immer wieder ärgerlich, dass es kaum ein Werk bis in unsere Kinos schafft. Dass Meisterwerke der Zeichentrickkunst, wie etwa der Sci-Fi-Klassiker 'Ghost in the Shell' oder der Psychothriller 'Perfect Blue' bei uns lediglich nach ein paar Jahren als DVDs veröffentlicht worden sind, mag man teilweise auf das hierzulande nach wie vor bestehende Vorurteil zurückführen, Zeichentrickfilme seien vorrangig für Kinder gedacht. Allerdings starten auch die zahlreichen Animes, die tatsächlich für ein überwiegend junges Publikum konzipiert wurden – bis auf die inzwischen auch bei uns etablierten Filme von Hayao Miyazaki – nur sehr selten in unseren Lichtspielhäusern.

Umso erfreulicher ist es, dass 'Brave Story' diesbezüglich eine Ausnahme bildet: Die Welt des kleinen Wataru gerät unverhofft aus den Fugen, als sein Vater beschließt, die Familie zu verlassen und die Mutter aufgrund eines Schwächeanfalls kurz darauf ins Krankenhaus eingeliefert wird. Als er seinem geheimnisvollen Mitschüler Mitsuru jedoch in eine magische Welt namens „Vision“ folgt, erhält er die Möglichkeit, sein Schicksal zu ändern. Dazu muss er sich auf die Suche nach fünf Juwelen begeben, damit er von der Schicksalsgöttin einen Wunsch erfüllt bekommt. Allerdings verfolgt auch Mitsuru aus ganz eigenen Gründen dieses Ziel und schreckt vor nichts zurück, um es zu erreichen.

In prächtigen, detailreich animierten Bildern erzählt das Abenteuer im Grunde eine klassische Initiations-Quest, bei der Wataru auf seinem Weg zum Helden zahlreichen Gegnern und Gefährten begegnet, bis am Ende seiner Suche schließlich eine Erkenntnis steht, die ihn reifer werden lässt. Auch wenn die Dramaturgie bisweilen an eher simplere Erzählstrukturen eines Fantasy-Rollenspiels erinnert, gelingt es dem Film mit Fortschreiten der Handlung, eine zunehmend epische Stimmung zu erzeugen, geht es doch um nicht weniger als das Schicksal einer ganzen Welt. Trotz des phantastischen Plots bleibt die Motivation der Protagonisten aber bis zum Ende in sehr weltlichen Problemen verwurzelt, was vor allem aus Watarus Antagonisten Mitsuru weit mehr als einen plumpen Bösewicht macht und dem vornehmlich leichtfüßigen Abenteuer auch eine bittersüße, fast tragische Note verleiht. Carlos Corbelle

J 2006. Regie: Koichi Chigira. Buch: Ichiro Okochi, Miyuki Miyabe. Sprecher: Hannes Maurer, Constantin von Jascheroff, Michael Deffert, Ghadah Al-Akel, Tanya Kahana, Friedel Morgenstern, Gerd Holtenau. AV Visionen. 112 Min. Ab 15. Mai 2008 im Kino.

 

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