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Bird’s Nest – Herzog & de Meuron in China

Zwei Dokumentarfilmer begleiten die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron beim Bauprojekt des „National Stadiums“ in Peking, das bald den Beinamen „Vogelnest“ erhält. Doch der Film führt nicht über eine TV-Reportage hinaus. Und die politisch-ethischen Bedenken werden auch allzu schnell beiseite geschoben.


Die Dokumentarfilmer Christoph Schaub und Michael Schindhelm begleiten filmisch das vierjährige Projekt des Schweizer Duos Jacques Herzog und Pierre de Meuron in China: Das „National Stadium“ für die Olympischen Spiele 2008. Das 320 Meter lange und 69 Meter hohe Prestigeobjekt erhält von den Medien bald den Beinamen „Vogelnest“.

Die Dokumentation hält insbesondere den ersten Spatentisch am Heiligabend 2003 fest. Sie bietet aber auch einen Einblick in die heiklen Verhandlungen, die ein Projekt dieser Dimension in einem fremden kulturellen Umfeld mit sich bringt. Weil für ein solches Vorhaben „Kultur-Dolmetscher“ eine zentrale Rolle übernehmen, unterstreicht 'Bird’s Nest' immer wieder die vermittelnde Funktion von Uli Sigg, ehemaliger Schweizer Botschafter in Peking und heutiger Sammler chinesischer Kunst, sowie von Ai Weiwei, einem bedeutenden chinesischen Konzeptkünstler. Parallel dazu verfolgt der Film ein „Nebenprodukt“ des Auftrags: Die Architekten planen ebenfalls, den Bau eines ganzen Stadtteils für 300.000 Menschen in der 3-Millionen-Stadt Jinhua.

Ein Manko der Dokumentation mag systemimmanent begründet sein: Weil der Film möglichst früh fertig gestellt werden soll, kann 'Bird´s Nest' den fertigen Zustand der zwei Projekte (National Stadium und Stadtteil in Jinhua) nicht dokumentieren – für eine Architekturdokumentation schon enttäuschend. 'Bird’s Nest' liefert aber auch kaum kinotaugliche Bilder, wie ein Vergleich etwa mit Thomas Grubes 'Trip To Asia – Die Suche nach dem Einklang' verdeutlicht. Über eine Fernsehreportage kommen Christoph Schaub und Michael Schindhelm mit ihrem Film nicht hinaus.

Der Vorwurf, die Architekten würden mit ihrem Prestigeobjekt ein undemokratisches Regime unterstützen, dängt Jacques Herzog schnell weg: Es sei westliche Arroganz, eine Demokratisierung einzufordern, ehe man für China „ein Haus baue“. Und überhaupt: In einer Demokratie, insbesondere in der Schweiz, hätte ein solches Projekt nicht in dieser Zeit realisiert werden können. Die Kehrseite der Argumentation fasst freilich Pekings Oberbaudirektor in knappen Worten zusammen: „Ihre Arbeit ist es auch, uns zufrieden zu stellen“. José García

CH 2008. Regie und Buch: Christoph Schaub und Michael Schindhelm. Mit: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Ai Weiwei, Dr. Uli Sigg, Dr. Yu Qiu Rong, Li Xinggang, Stefan Marbach, Li Aiqing. Salzgeber. 88 Min. Ab 8. Mai 2008 im Kino.

 

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