Jeden Morgen dasselbe Ritual: Der Oberschüler Ben (Greg Timmermans) taucht allmorgendlich von 5.45 bis 6.33 Uhr in die Welt des Online-Rollenspiels „Archlord“ ein. Er verwandelt sich in den Ritter „Ben X“, der seine monsterartigen Gegner im Kampf vernichtet und von einer „Heilerin“ namens Scarlite bewundert wird. In der schönen, virtuellen Welt ist Ben ein Held.
Ganz anders in der realen Welt: Sobald Ben den Computer ausschaltet, beginnt für ihn ein viel härterer Kampf als gegen die finsteren Kreaturen von „Archlord“. Denn in der Technischen Oberschule muss er sich ebenfalls starken Gegnern stellen, insbesondere zwei Schlägertypen, Bogaert (Titus de Voogt) und Desmedt (Maarten Claesyssens), die keine Gelegenheit unausgenutzt lassen, um Ben zu quälen.
Die Panzerung, die sich Ben in der realen Welt zulegt, besteht lediglich in Kopfhörern, die er aufsetzt, um nicht mitzubekommen, was um ihn herum passiert. Eine bessere Verteidigung kennt er nicht. Denn Ben leidet am Asperger-Syndrom, einer leichten Art von Autismus, die sich in einer Kontakt- und Kommunikationsstörung manifestiert. Greg Timmermans spielt in seiner ersten Kinorolle den kontaktscheuen Ben insbesondere durch einen unsicheren-unruhigen Blick und eine angespannte Körperhaltung überzeugend. Die Situation eskaliert, nachdem die Erniedrigungen, die Ben immer wieder durchzustehen hat, einen traurigen Höhepunkt erreichen. Ben fasst einen Plan, um kein Opfer mehr zu sein, um dem „Spiel“ ein Ende zu bereiten. Gerade in diesem Moment nimmt Scarlite (Laura Verlinden), die „Heilerin“ aus „Archlord“, Kontakt zu Ben auf.
Basierend auf seinem eigenen Buch „Niets, is alles wat hij zei“ („Nichts, war alles, was er sagte“) inszeniert Nic Balthazar 'Ben X' als Mischung zwischen realer und virtueller Welt. Die subjektive Kamera, die Bens Emotionen immer wieder einfängt, wechselt dann in die Welt von „Archlord“. Für Ben verwischen immer mehr die Grenzen zwischen den beiden Welten.
Das Ineinandergreifen dieser zwei Realitäten gibt 'Ben X' eine vorwiegend ein jugendliches Publikum ansprechende filmästhetische Anmutung. Dazu fügt der Regisseur eine dritte Ebene hinzu, die für die Dramaturgie besonders wirksam wird: In nach dem Stil einer Reportage inszenierten Interviews äußern sich Bens Eltern, Lehrer und Mitschüler. Zur Computerspiel-Ästhetik passt es denn auch, dass 'Ben X' drei oder gar vier mögliche Enden vorschlägt. José García B/NL 2007. Buch und Regie: Nic Balthazar. Mit: Greg Timmermans, Laura Verlinden, Marijke Pinoy, Pol Goossen, Titus De Voogdt, Maarten Claeyssens, Johan Heldenbergh. Kinowelt. 93 Min. Ab 8. Mai 2008 im Kino.
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