Eine ägyptische Polizeiband soll im arabischen Kulturzentrum einer israelischen Stadt ein Konzert geben. Durch eine Verwechslung landen sie jedoch irgendwo im Nirgendwo. Die politischen und kulturellen Differenzen zwischen Arabern und Israelis müssen durch die Ausnahmesituation beigelegt werden.
Ägypten und Israel sind zwar Nachbarstaaten, aber das Verhältnis zwischen den Arabern und den Israelis ist schon lange durch politische und kulturelle Unterschiede getrübt – unter dem Stichwort des „Kalten Friedens“ lebt man nebeneinander her, ohne sich allzu sehr zu behelligen.
Der israelische Regisseur Eran Kolirin hat für seinen ersten Spielfilm eine absurde Ausgangssituation gewählt, um auf die entsprechenden Probleme seiner Region spielerisch aufmerksam zu machen. Die achtköpfige Polizeiband, die in ihren grellblauen Uniformen verlassen auf dem Flughafen auf ein Empfangskomitee warten, hat schon von der ersten Minute an eine hohe visuelle Komik intus.
Trotzdem macht sich Kolirin nicht über die fremden Nachbarn lustig, denn das Lachen über das seltsame Gebaren beschränkt sich nicht nur auf die ägyptischen Figuren, sondern wird vom Regisseur auch auf entlarvende Weise auf seine Landsmänner angewandt. Im namensgleichen Kaff, in dem die Musiker gestrandet sind, gebe es keine arabische Kultur, aber auch keine israelische. „Gar keine Kultur. Scheißgegend“, lässt er die Wirtin Dina resümieren, die der Kombo schließlich ihre Gastfreundschaft für eine Nacht gewährt.
Die Handvoll Israelis, denen die Ägypter auf ihrem unfreiwilligen Zwischenstopp begegnen, sind allesamt ebenfalls mit gehörigen Defiziten gesegnet und bieten ein ums andere Mal Grund für genüssliche Schmunzler im Publikum. Auch ernste Zwischentöne mischen sich in den Handlungsverlauf, doch diese sind nur selten eindeutig politischer Natur. Kolirin schildert vielmehr das persönliche Schicksal seiner beiden gegensätzlichen Hauptfiguren, das von privaten Enttäuschungen gekennzeichnet ist. Trotzdem ist die politische Komponente allgegenwärtig, was sich nicht nur in den sprachlichen Barrieren niederschlägt, wenn Arabisch und Hebräisch aufeinander treffen und man sich nur mühsam in Englisch verständigen kann. Das große Verdienst Kolirins liegt darin, dass er das Thema mit Humor aufgreift, noch dazu überaus gelungen mit viel Gespür für das rechte Timing. FB
ISR/F 2007 (Bikur Ha-Tizmoret) Regie und Buch: Eran Kolirin. Mit: Sasson Gabai, Ronit Elkabetz, Khalifa Natour, Saleh Bakri, Shlomi Avraham, Rubi Moscovich, Gavriel Ayrum. Concorde. 83 Min. Ab 31. Januar 2008 im Kino.
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