Kriegsheimkehrer Jesse leidet seit seinem Irakeinsatz an posttraumatischem Stresssyndrom und findet sich im zivilen Alltag nicht mehr zurecht. Er hat einen miserablen Aushilfsjob und lebt mit seiner schwangeren, vollkommen verständnislosen Frau und drei Kindern in einem Trailer auf einem Schrottplatz. So weit, so typisch. Bis Jesse herausfindet, dass seine Frau ihm Geld unterschlägt. Er rastet aus und erschießt sie und seine beiden Söhne. Seine zuckersüße, gottesgläubige, ihren Vater über die Maßen liebende Tochter wird auf „wundersame“ Weise verschont. Sie flüchten. Einige Motelaufenthalte später wird ihm in einem Diner in einem Provinznest quasi mit dem Kaffee ein Job angeboten – von einer hübschen Blondine. Bahnt sich ein Neuanfang an? Die berühmte zweite Chance?? Eine neue Liebe??? Eine zurückhaltende Freundschaft mit einem anderen Irak-Geschädigten, einige Storywendungen und triefgeifernde (sic) Dialoge später wird die Tochter überfahren. Bruce-Springsteen-Song, Abspann...
Wer glaubt, das alles höre sich wie eine genaue Beschreibung des amerikanischen (Alb-) Traums an, der hat insofern recht, als das alles ab dem Amoklauf ein Traum war, eine Wunschvorstellung, ein großes Was-wäre-wenn, während die Frau Jesse wieder Vorhaltungen macht und die Pistole ungenutzt auf dem Tisch verkümmert. Dann kommt noch ein dramatischer Blickwechsel zwischen Vater und Tochter und eine Großaufnahme, oder besser: ein Bildnis der Tochter – nennen wir es: „Unschuld, inklusive Träne“.
Es gibt Filme, die trotz oder gerade wegen großer Ambitionen der Regisseure dramatisch, aber interessant scheitern. Und dann gibt es Filme, die trotz aufwühlender Thematik und richtiger Intentionen (Botschaft: Krieg ist die Hölle) gnadenlos scheitern – wegen der Unfähigkeit des Regisseurs beziehungsweise „Auteurs“ Francesco Lucente.
Die Schauspieler scheinen alle fähig, und einige Szenen fangen akzeptabel an – und plötzlich setzt der pathetische Score ein, und aus dramatischen Dialogen werden melodramatische Monologe. So schlecht wurde Musik wohl selten eingesetzt. Außerdem scheint der „Auteur“ sich nicht entscheiden zu können, was er denn erzählen will, wie man obiger Synopsis entnehmen kann – und das 160 Minuten lang. Eine derartige Überlänge ist grundsätzlich ein Problem.
Wenn man diese Zeit aber nicht mit einem groß angelegten Gesellschaftspanorama, einem Jahrzehnte überspannenden Biopic, epischen Bildern, grandiosen schauspielerischen Leistungen, einem episodenhaften Sammelsurium kleiner Geschichten oder Ähnlichem auszufüllen vermag, dann wird diese Zeit zur Qual für den Zuschauer. Krieg ist die Hölle. Hölle ist Abwesenheit von Vernunft. Manche Filme sind wie Krieg – oder das posttraumatische Stresssyndrom. Wenn dieser Film das spürbar und für das Publikum nachvollziehbar machen sollte, dann hat Lucente doch erreicht, was er wollte... Thomas Hemsley USA/D 2007. Regie, Schnitt und Buch: Francesco Lucente. Mit: Jamie Draven, Grace Fulton, Vinessa Shaw, Chandra West, Joe Morton, Tom Carey, Patrick Richards. Badland. 160 Min. Ab 8. Mai 2008 im Kino.
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