Die brasilianische Dokumentation ist eine der ersten Produktionen, die mit Hilfe des so genannten „World Cinema Fund“ in die Kinos kommt, mit dem die Berlinale unter Leitung von Dieter Kosslick inzwischen auch als Verleiher und (Co-)Produzent agiert.
Zusammen mit der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts werden per Juryentscheid Filmprojekte aus Ländern unterstützt, deren Filmindustrie kaum entwickelt oder krisenanfällig ist. „Was Menschen sich antun“ – so die sinngemäße Übersetzung des Originaltitels – nimmt Bezug auf das blutige Treiben von Killerkommandos innerhalb des brasilianischen Polizei- und Sicherheitsapparats.
Filmisch wurde das mafiöse Phänomen, dessen Wurzeln bis in die 50er Jahre reichen, noch nie hinreichend behandelt. Und auch nach diesem Film, der das Thema allenfalls anreißt, bleibt viel aufzuarbeiten. Die ersten 30 Minuten sind eine sehr sprunghafte Aneinanderreihung von Szenen aus dem Armenviertel Baixada Fluminense am Rande Rio de Janeiros.
Das nicht-lineare Vorgehen, sich dem Schauplatz über das Sammeln von Eindrücken zu nähern, verweist auf die Herkunft des Regisseurs aus dem Experimentalfilmbereich, ist aber angesichts der komplexen, gesellschaftspolitischen Dimension des Themas ein eher irritierendes Stilmittel. Erst in den letzten zwei Dritteln widmet sich der Film seinem eigentlichen Thema, das durch einen spektakulären Vorfall während der Dreharbeiten unerwartet an Aktualität und Brisanz gewonnen hatte: In einem beispiellosen Blutrausch erschossen im Frühjahr 2005 Uniformierte in einer Nacht 29 unschuldige Menschen, töteten hemmungs- und wahllos Männer, Frauen, Alte und Kinder. Das selbst für brasilianische Verhältnisse ungewöhnlich brutale Massaker wird vom Regisseur leider ausschließlich über Interviews erhellt, die noch dazu relativ unstrukturiert montiert wirken. Immerhin wird deutlich, welche gravierenden Folgen es hat, wenn eine Gesellschaft ihren Ordnungskräften Verstöße gegen die Rechtstaatlichkeit erlaubt. MPH
BRA/D/NL 2006. Regie und Buch: Kiko Goifman. Kamera und Schnitt: Diego Gozze. Schnitt: Patrício Salgado. (O.m.U.) F.d.d.K. 75 Min. Ab 11. Januar 2007 im Kino. |