Mitten in der Sahara, im Niger, liegt Arlit, ein Ort, der sich in den späten 60ern neben einer französischen Fabrik angesiedelt hat, die dort bis heute Uran abbaut.
In den 70ern stand die Stadt in ihrer Blüte: 25.000 Menschen lebten in der profitablen Oase. Ein zweites Paris wurde den Afrikanern dort versprochen, die vom ganzen Kontinent anreisten, um hier ihr Glück zu versuchen. Doch in den 80ern kam es zu Aufständen der Tuareg, und das französische Unternehmen zog sich aus der Region zurück. Die Fabrik steht heute noch, doch der Ort gleicht einer Geisterstadt.
Idrissou Mora-Kpai porträtiert Arlit und spricht mit den Menschen, die sich hierher verlaufen und nun eher vom Menschenschmuggel ins nahe Algerien leben. Der Traum vom kleinen Paris ist längst vergangene Illusion. Einer der Männer träumt nun von Champagner in Marseille, und wenn er es nicht schaffen sollte, dort zu leben, dann möchte er, so sagt er, wenigstens dort sterben.
Mora-Kpai lässt die verlorenen Seelen zu Wort kommen, reichert die Gespräche mit ruhigen Stillleben aus der Wüstenstadt an und widmet sich schließlich noch dem großen Sterben, das die Arbeit mit dem radioaktiven Material nach sich zieht. Der Betriebsarzt, der sich dem Interview stellt, negiert jegliche Zusammenhänge und diagnostiziert bei den Kranken lieber AIDS oder Lungenkrebs, den er aufs Rauchen zurückführt.
Erwin Wagenhofer wirft mit seiner Doku We Feed the World gerade einen Blick auf die weltweite, industrielle Ausplünderung von Bodenschätzen, Mora-Kpai präsentiert ein trauriges Beispiel für die gewissenlose Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft im Rahmen der Globalisierung. Arlit, das versprochene Paris, liegt heute apokalyptisch verlassen im staubigen Wind und ähnelt Paris – irgendwann nach dem Atomkrieg. HE BEN/F 2005 (Arlit, deuxième Paris) Regie: Idrissou Mora-Kpai. Buch: Isabelle Boni-Claverie. (O.m.U.) 78 Min. Ab 20. April 2006 im Kino. |
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