Nachdem der selbst ernannte „Profi-Abenteurer“ Mike Horn die Welt entlang des Äquators umkreist hatte, begab er sich 2002 an die Erdumrundung entlang des nördlichen Polarkreises.
Von Norwegen über Grönland, Kanada, Alaska, Russland und wieder zurück, legte er in 808 Tagen unmotorisiert 26.000 Kilometer zurück. Am Ende hat er Sibirien als erster Mensch allein durchquert und weitere Rekorde gebrochen. Zu Fuß, mit Kajak, Skiern, Gleitschirm und Fahrrad schlug sich der Abenteurer durch Meer, Eis, Tundra und vor allem Kälte und hielt seinen Trip dabei mit der Kamera fest.
Das beachtliche Unternehmen mit diesem Film angemessen auf die große Leinwand zu bannen, gelang allerdings nicht. Zu fragmentarisch stutzt Horn die 808 Tage auf 80 Minuten: Flüchtig kommentiert er die aneinander gereihten Sequenzen, schwärmt davon, dass du über deine Grenzen gehst, dass du dich selbst erforschst: „In deinem Innern findet das wirkliche Abenteuer statt.“
Aber davon erfahren wir weiter nichts und so enden philosophische Ansätze in Phrasen. Auch die dramatische Bandbreite der Erlebnisse kann der Film nicht vermitteln: Gerade noch wegen Schneetreibens im Zelt gefangen, sitzt Horn nach wenigen Filmsekunden wieder am Ofen einer Trapperfamilie; ein anderes Mal scheint er auf dem Meer die Kraft zu verlieren, im nächsten Bild hat er sie wieder.
Die wahre Größe des Unternehmens kann nicht allein durch die Aneinanderreihung begrenzt kinotauglicher Bilder vermittelt werden, sondern verlangt nach einem epischeren Format und wäre damit in einem TV-Mehrteiler sicherlich besser aufgehoben. Mit entsprechend mehr Tiefgang und Atmosphäre könnte er dabei sicherlich mit einem erhobenen Daumen rechnen. Doch wären auch dort billige Keyboard-Choräle und kitschige Plastik-Atmo, die den Film geschmacklos künstlich unterlegen, unangebracht. HE
CH 2005. Regie: Ralph Blanc, Mike Horn. MFA. 83 Min. Ab 9. März 2006 im Kino. |