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Apocalypto


Es klang, als wollte Mel Gibson nach seiner umstrittenen Passion Christi die Wogen glätten. Seine nächste Regie-Arbeit sollte „ein Hochgeschwindigkeits-Actionfilm sein“, verkündete er.

Das klang harmlos. Und schlichte Gemüter werden in Apocalypto auch nicht mehr sehen als ein Gewalt-Epos, das mit der wohl längsten Kino-Verfolgungsjagd aufwartet, die jemals zu Fuß unternommen wurde.

Doch der Titel und erst recht die These, die dem Film über den Untergang der Maya-Kultur vorangestellt ist, lassen erkennen, dass der sendungsbewusste Regisseur mehr im Sinn hat. „Eine große Zivilisation lässt sich nur von außen erobern, wenn sie sich von innen schon selbst zerstört hat“, heißt es da. Dem Zuschauer schwant Böses.

Gut zwei Stunden verwendet Gibson darauf, die hoch entwickelte Maya-Kultur auf ein System perfider Barbarei zurechtzustutzen. Maya-Krieger verschleppen die Population eines Dschungel-Dorfes in die Stadt. Die Kinder werden einfach zurückgelassen, den Männern droht der Tod, die Frauen werden als Sklavinnen verkauft. Dem Anführer der Verschleppten gelingt die Flucht. Er will seine Frau retten, die er in einem Erdschacht versteckt hat.

Das ist nicht nur Abenteuer. Gibson erzählt die Geschichte als christliches Heilsgeschehen – mit der Vertreibung aus dem Paradies, der Erweckung des Messias, Prophezeiungen, Wundern und Erlösung. Vielleicht kann der glühende Christ die Welt nur noch nach diesem Schema betrachten, aber im Zusammenhang mit der Maya-Kultur wirkt das doch reichlich abstrus. Deshalb hinterlässt Apocalypto trotz seiner Bildermacht einen höchst zwiespältigen Eindruck. Zumal Gibson am Ende mal eben die Geschichte umdeutet. Die Spanier erscheinen nicht als Eroberer am Horizont, sondern als Erlöser eines im Gewaltrausch versinkenden Volkes. VM

USA 2006. Regie und Buch: Mel Gibson. Buch: Farhad Safinia. Mit: Rudy Youngblood, Dalia Hernandez, Jonathan Brewer, Raoul Trujillo, Morris Birdyellowhead, Carlos Emilio Baez, Ramirez Amilcar. (O.m.U.) Constantin. 138 Min. Ab 14. Dezember 2006 im Kino.