Home

 

Angel-A


Wie lange ist es eigentlich her, dass Luc Besson einen guten Film gedreht hat? Schaut man sich seine Filmografie an, in der sich seit 1999 nur noch Filme als Produzent oder Drehbuchautor finden, kommt man auf fast zehn Jahre, denn Das fünfte Element von 1997 war zumindest visuell ein Erlebnis.

Nun ist das einstige französische Wunderkind also auf den Regiestuhl zurückgekehrt und hat ein Märchen für Erwachsene in Schwarzweiß gedreht. Doch Thierry Arbogast, Bessons langjähriger Chefkameramann, weiß nicht so recht, was er mit der monochromen Optik anfangen soll.

André ist über beide Ohren bei zwielichtigen Gestalten verschuldet und will seinem Leben ein Ende setzen. Da taucht Angela auf, seine Retterin, von der André später erfährt, dass sie tatsächlich sein Schutzengel ist. Allein um den optischen Kontrast zwischen den beiden Protagonisten scheint es Besson bei der Wahl der Schwarzweißkamera gegangen zu sein: sie, der blasse, blonde Engel, groß und fast schon glänzend – er, ein kleiner, dunkelhäutiger und schwarzhaariger Taugenichts. Und wenn ein Film zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Schwarzweiß gedreht wird, klingt das gleich irgendwie nach Kunst.

Angel-A ist aber keine Kunst, ganz im Gegenteil. Der einstige Einfallsreichtum Bessons scheint dahin, nachdem er sich jahrelang mit massenwirksamen, aber platten Drehbüchern abgemüht und anspruchslose Dutzendware produziert hat.

Jamel Debbouze geht einem hier schon nach kürzester Zeit durch sein pausenloses Geplapper auf die Nerven, die Story selbst ist dünner als das Papier, auf dem sie geschrieben wurde, und in ihrer moralischen Konventionalität kaum mehr zu überbieten. Ein, zwei müde Gags finden sich am ehesten noch in der ersten halben Stunde, danach zeigt uns Besson schmerzhaft, aber höchst eindringlich, dass er vom einstigen Kultregisseur zum Pausenclown abgestiegen ist. FB

F 2005. Regie und Buch: Luc Besson. Mit: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki, Serge Riaboukine, Akim Chir, Eric Balliet, Loïc Pora. Tobis. 90 Min. Ab 25. Mai 2006 im Kino.