Dies vorweg: American Hardcore ist kein Porno! American Hardcore arbeitet die Geschichte des amerikanischen Hardcore-Punks auf.
Punk ist ja in New York entstanden, mit schlichten schwarzen Lederjacken und zerschlissenen Jeans wurden Drei-Akkord-Stücke in zwei Minuten von den Ramones und anderen runter gedroschen. Irokese, Bondagehosen und die Sex Pistols waren die modische Version für England. Während dort der Post-Punk ebenso artifiziell fortgeführt wurde, entstand in den USA Ende der 1970er Jahre der so genannte Hardcore. Bands wie Black Flag, Bad Brains, Minor Threat u.a. übernahmen die schlichte Ästhetik und die gewalttätige Attitüde und radikalisierten den musikalischen Ausdruck.
Regisseur Paul Rachman legt hektisch und mit schnellen Schnitten los und passt sich ästhetisch seinem Untersuchungsobjekt an. Mit Konzert-Schnipseln, Fotos und aktuellen Interviews der damals Beteiligten lässt er ein Bild der frühen 1980er Jahre entstehen, das von der regressiven Regierung Ronald Reagans geprägt war. Die Protagonisten der Hardcore-Szene wüteten dagegen mit ihrer Musik und ihrem Lebensstil an. Abseits der Plattenindustrie entstand so eine über das ganze Land verstreute Szene – ausgerechnet in New York passierte allerdings fast gar nichts.
Rachman bemüht sich, die Szenen der verschiedenen Großstädte abzudecken, manchmal drängt sich aber der Eindruck auf, dass ihm beim Versuch, möglichst alle Sub-Szenen zu berücksichtigen und möglichst alle Bands zu Wort kommen zu lassen, die Fäden etwas entgleiten. Eine deutlichere Akzentuierung und Auswahl wäre für den überforderten Zuschauer hilfreich gewesen. Andererseits – wie schon erwähnt: Das hektische Chaos reflektiert natürlich angemessen den Forschungsgegenstand. CM
USA 2006. Regie: Paul Rachman. Buch: Steven Blush. Mit: Paul „H.R.” Hudson, Greg Ginn, Henry Rollins, Ian MacKaye, Vic Bondi, Joe „Shithead” Keithley, Moby, Flea, Matthew Barney. Kinostar. 100 Min. Ab 14. Dezember 2006 im Kino. |
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