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Alle Kinder dieser Welt


Millionen Kinder leben in furchtbaren Verhältnissen. Sie müssen sich ihr Geld auf der Straße zusammenbetteln, sind auf der Flucht, werden als Soldaten missbraucht, wachsen ohne Eltern auf. Keine Schule, keine medizinische Versorgung – keine Kindheit.

Das Projekt Alle Kinder dieser Welt, das unter der Mitwirkung von UNICEF und des World Food Programme (WFP) ins Leben gerufen wurde, und dessen Profit teilweise in Kinder-Hilfsprojekte weltweit fließt, versammelt sieben Kurzspielfilme renommierter Regisseure aus sieben Ländern, von denen jeder auf seine Art eine Geschichte über die vergessenen und ausgegrenzten „Kinder dieser Welt“ erzählt.

Durchweg ohne gespreiztes Pathos und überstrapaziertes Gutmenschentum, beweisen die beteiligten Filmemacher in ihren Arbeiten ein hohes Maß an Fantasie und vor allem handwerklichem Können.

So begleitet Emir Kusturica einen Jungen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, der angesichts der unveränderten Zustände in seiner alten Welt draußen nichts Anderes will, als wieder zurück in den Knast. Die brasilianische Filmemacherin Kátia Lund zeigt das mühsame Tagesgeschäft zweier Straßenkinder in Sao Paulo, die achtlos Weggeworfenes auf einem Wertstoffhof in schmales Geld umwandeln, während zwei Kleinkriminelle im Film des Italieners Stefano Veneruso den Erlös einer gestohlenen Rolex ganz kindergerecht anlegen: im Besuch eines Rummelplatzes.

Die am nachhaltigsten beeindruckende Miniatur in dem Ensemble gelingt dabei vielleicht Spike Lee: Ein Mädchen aus Brooklyn, streitbar und vital, entdeckt, dass sie von ihren drogenabhängigen Eltern mit dem HI-Virus infiziert wurde. Das ist so schmucklos und unlarmoyant erzählt, dass sogar die Utopie eines solidarischen Familienverbandes, die durch all das Elend und die ganze Ausweglosigkeit scheint, glaubhaft wird. Eine wirklich rührende Geschichte ganz ohne falsche Tränen. MS

F/I 2005 (All the Invisible Children) Regie: Mehdi Charef, Emir Kusturica, Spike Lee, Kátia Lund, Jordan & Sir Ridley Scott, Stefano Veneruso, John Woo. 116 Min. Ab 6. April 2006 im Kino.