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Absolute Wilson


In diesen Tagen wird einer der international renommiertesten Theaterregisseure und Allroundkünstler, Robert Wilson, 65 Jahre alt.

Mehr als fünf Jahre lang hat ihn die Regisseurin Katharina Otto-Bernstein bei seinen Projekten rund um die Welt begleitet, um seine harte Schale zu knacken. Was den Künstler Wilson umtreibt, wie er zu dem geworden ist, was er heute in der internationalen Kunstszene darstellt, woher er die Kreativität schöpft, die ihn mehrere Mammutprojekte gleichzeitig verfolgen lässt – auf all diese Fragen suchte die Regisseurin eine Antwort.

Und in der Tat ist es ihr gelungen, einige private Details aus dem Leben Wilsons ans Tageslicht zu fördern, die sein Kunst- und Arbeitsverhältnis zu interpretieren helfen. Absolute Wilson orientiert sich in erster Linie an einer chronologischen Aufarbeitung der Karriere des Künstlers, wobei die Filmemacherin auch immer wieder Parallelen und Motive aufgreift und diese dann unter Vorwegnahme künftiger Bühnenarbeiten den entsprechenden Ereignissen und Bezugspersonen gegenüberstellt.

Neben faszinierenden Einblicken in die familiären Bindungen Wilsons (Roberts Vater hatte zeitlebens ein Problem mit dessen Homosexualität; seine Großmutter wurde, wie so viele andere, im hohen Alter als Darstellerin in eine seiner Bühnenshows eingebaut) rekonstruiert Otto-Bernstein auch die künstlerischen Zusammenarbeiten mit dem taubstummen Raymond Andrews („Deafman Glance“ bescherte Wilson 1970 den internationalen Durchbruch) oder dem autistischen Christopher Knowles.

Wer schon heute Fan der Arbeiten Robert Wilsons ist, wird durch diese Dokumentation einen interessanten Einblick hinter die Kulissen erhalten. Wer ihn erst durch diesen Film kennen lernt, wird Lust bekommen, eine seiner Inszenierungen am Theater zu erleben. Mehr kann ein perfekt gemachter Dokumentarfilm eigentlich gar nicht leisten. FB

D 2006. Regie und Buch: Katharina Otto-Bernstein. Mit: Robert Wilson, Susan Sontag, Philip Glass, David Byrne, Tom Waits, William S. Burroughs, Jessye Norman. Kinowelt. 105 Min. Ab 12. Oktober 2006 im Kino.