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Aaltra


Gus und Ben sind Nachbarn. Und sie hassen sich. Warum? Vielleicht, weil ihr Hass die letzte Leidenschaft in einem Leben der Stagnation ist.

Eine Leidenschaft, die ein abruptes Ende findet. Bei einer Prügelei geraten beide unter die Ladefläche eines Treckeranhängers der Firma „Aaltra“. Von der Hüfte abwärts gelähmt, fristen die Zwei fortan ihre Tage im Rollstuhl. Doch genau jene Starrköpfigkeit, die ihr Leben fast ruinierte, rettet sie jetzt vor der Resignation. Die Streithähne raufen sich zusammen. Eine gemeinsame Reise steht an. Nach Finnland. Zum Firmensitz von „Aaltra“. Dort haben Gus und Ben schließlich noch ein Hühnchen zu rupfen.

Benoît Delépine und Gustave K/Vern sind Stand-up Comedians. Für Aaltra schrieben sie das Buch, führten Regie und übernahmen die Hauptrollen. Ein Film, eine Handschrift. Lakonisch, schwarzhumorig, schräg. Aaltra ist ein Rollstuhl-Roadmovie, ist ein Stück absurdes Film- Theater ohne plumpen Behindertenslapstick oder Gefühlsduselei. Eine Wohltat und fast ein Paradox: eine so gar nicht „leichte“ Komödie. Dazu passt, dass man in grobkörnigem Schwarzweiß drehte, bei dem, zumal im gleißenden Sonnenlicht, oft die Konturen verwischen. Der Film, so sperrig wie seine Helden.

Auch im Rollstuhl sind die noch lange nicht, was sie schon vorher nie waren – sympathisch nämlich. Das verhindert Mitleid, das hält auf Distanz. Je mehr diese zwischen Gus und Ben schwindet, desto mehr schwindet sie aber auch zum Zuschauer. Plötzlich lacht man mit den Beiden über all die Trottel, deren schlechtes Gewissen sie jenseits aller Skrupel ausnutzen. Da weiß man schon, dass man in Aaltra vor allem über sich selbst lacht.

Den Spiegel bekommt man hier ganz ohne moralische Attitüden vorgehalten. Vor denen nämlich bewahren Spielfreude, absurde Bildeinfälle und, in dieser recht maulfaulen Komödie, einige der schönsten Dialoge, die es seit langem im Kino zu hören gab. SG

F/B 2004. Regie und Buch: Benoît Delépine & Gustave K/Vern. Mit: Benoît Delépine, Gustave K/Vern, Michel de Gavre, Aki Kaurismäki, Jan Bucquoy. Weltecho. 92 Min. Ab 4. Mai 2006 im Kino.