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2 Tage Paris




Paris, die Stadt der Liebe. Ein wunderbares Klischee, wie geschaffen für Julie Delpy, der man zutraut, das Gerede vom sentimentalen Mehrwert der französischen Hauptstadt elegant auseinander zu nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Delpy der (Film-)Liebe wegen in ihrer Heimatstadt weilt. Doch der Film Before Sunset (2004), in dem die 37jährige französisch-amerikanische Schauspielerin an der Seite Ethan Hawkes auftrat, war eine bezaubernde Romanze mit Paris als hübscher Kulisse.

2 Tage Paris ist dagegen eine freche und laute Komödie, in der die Stadt der Liebe einen ihrer Besucher in der erstaunlich kurzen Zeit von zwei Tagen zu einem drastischen Urteil treibt: „Ich bin nicht in Paris, ich bin in der Hölle.“ Man kann dem armen Jack nur zustimmen, wenngleich sich das Mitgefühl mit einem Lachen mischt. Was als romantischer Zwischenstopp auf der Rückreise nach New York gedacht war, wird für den Amerikaner Jack (Adam Goldberg) und die Französin Marion (Julie Delpy) zum Beziehungsdesaster. Von wegen Paris, je t’aime.

Schlimm für die beiden, aber sehr amüsant für das Publikum. Delpy zeigt in ihrem zweiten eigenen Langfilm Facetten, die man von ihr nicht kennt. Die Romantik weicht polterndem Witz, komödiantische Volten lösen ernste Betrachtungen über das Leben ab. Dadurch werden ihre Geschichten nicht flacher. Sie betrachtet die Dinge des Lebens nur aus einer anderen Perspektive, die dem Humor den Vorzug gegenüber der Melancholie gibt. Es darf reichlich gelacht werden in diesem Film, in dem die kulturellen Unterschiede und politischen Verstimmtheiten zwischen den USA und Europa in eine Beziehungskiste gepackt werden.

Die langjährige stabile Bindung wird ernsthaften Belastungen ausgesetzt, wie sich schon bei der Ankunft in Paris zeigt. Jack weigert sich, in einen Bus zu steigen – aus Furcht vor Terroristen, die er hinter jeder Ecke wähnt. Marions Eltern machen sich über Jacks vermeintliche Kulturlosigkeit lustig und malträtieren ihn mit Rinderzunge. Er sehnt sich nach einem Burger, den er aber nicht mal bestellen kann, weil Franzosen sich bekanntlich weigern, Fremdsprachen zu lernen. Lieber jagen junge Aktivisten Filialen bestimmter Imbiss-Ketten in die Luft.

Schlimmer ist jedoch, dass sich plötzlich kulturelle Brüche in der Beziehung auftun. Jack geht die vermeintliche Libertinage der Franzosen gewaltig auf den Wecker. Ständig tauchen Ex-Lover Marions auf, die ihrerseits keinem Flirt aus dem Weg zu gehen scheint. Als er in ihrer Bibel ein Foto von einem nackten Mann mit Luftballons am Penis entdeckt, ist Jacks Toleranz gegenüber Europa im Allgemeinen und Marion im Besonderen erschöpft.

2 Tage Paris ist ein sehr gesprächiger Film mit gut gesetzten Pointen. Der Erzählstil mag an den jungen Woody Allen erinnern, ist aber vor allem dem knappen Budget geschuldet. Und Reden ist billig. Aber man hört Delpy, die eine brillante Dialog-Schreiberin ist, mit großem Vergnügen zu. Finanzielle Gründe bestimmten auch die Besetzung. Delpys Eltern, ein Schauspieler-Paar, sind auch ihre Film-Eltern. Französische Bekannte treten als Ex-Lover und Verehrer auf. Sogar Delpys Katze darf mitmachen. Wenn Paris auch nicht die Stadt der Liebe ist, die Stadt der Freunde ist sie allemal. VM

F/D 2006 (Deux jours à Paris) Regie, Buch, Schnitt und Musik: Julie Delpy. Mit: Julie Delpy, Adam Gold­berg, Marie Pillet, Albert Delpy, Alexia Landeau, Daniel Brühl, Adan Jodorowsky. 3L. 96 Min. Ab 17. Mai 2007 im Kino.

 

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