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1 Mord für 2


Die Vorlage für 1 Mord für 2 lieferte das mit „Sleuth“ betitelte Bühnenstück des bekannten britischen Dramatikers Anthony Shaffer (Frenzy). Als Mord mit kleinen Fehlern wurde das intensive Zwei-Personen-Stück schon einmal für die Leinwand adaptiert.

1972 schien man sich allerdings noch nicht wirklich zu trauen, das Kammerspiel auch als solches den Kinogängern schmackhaft zu machen. Man erfand schlichtweg einige Darstellernamen, die auf den Plakaten prangten und im Vorspann auftauchten, obwohl man am Ende doch nur zwei Schauspieler zu sehen bekam. Und was für welche! Mit der Schauspiellegende Sir Laurence Olivier und dem erfolgreichsten Shooting Star seiner Tage, Michael Caine, erreichte das Duell zweier Kontrahenten nicht nur auf dem Papier das Kaliber wahrer Exzellenz. Der Schlagabtausch spiegelte sich auch in einem Schauspielzweikampf wider, dessen größter Nutznießer der begeisterte Zuschauer sein durfte.

Jetzt hat sich Kenneth Branagh mit Hilfe des renommierten Literaten Harold Pinter an eine Neuinterpretation des Stoffes gemacht. Ironischerweise schlüpft Michael Caine nun 35 Jahre später in die Rolle Oliviers und Jude Law glänzt im einstigen Caine-Part – was ihm offensichtlich zu liegen scheint, denn bereits in Alfie, einem Remake des Caine-Films aus den Swinging Sixties, wurde Law als modernisierte Version des charmanten Herzensbrechers gecastet.

Milo Tindle (Jude Law) besucht den millionenschweren Erfolgsautor Andrew Wyke (Michael Caine) auf seinem noblen Landsitz. Er unterhält eine Affäre mit Wykes Noch-Ehefrau und möchte diesen auf deren Geheiß dazu bewegen, sich scheiden zu lassen. Doch der Kriminalschriftsteller möchte nicht einfach so das Feld räumen, sondern sich aus der vertrackten Situation noch einen Vorteil verschaffen. Tindle soll einen Einbruch in Wykes Residenz fingieren und ein Vermögen in Diamanten stehlen, damit Wyke die Versicherungssumme kassieren kann und Tindle seinerseits durch den Verkauf der Edelsteine genug Bargeld bekommt, um den verschwenderischen Lebensstil seiner Geliebten aufrecht zu erhalten. Doch plötzlich sind da Waffen im Spiel und alles läuft anders, als zunächst abgesprochen…

Schon mit seiner Eröffnungssequenz scheint uns Kenneth Branagh darauf aufmerksam machen zu wollen, wie die Größenverhältnisse zwischen seinen Protagonisten gelagert sind. Aus der Vogelperspektive zeigt er uns den kleinen Großstadtwagen Tindles beim Einparken vor der Villa neben Wykes großem Luxusschlitten. Doch mag es auch unter monetären Aspekten einen Größenunterschied zwischen den beiden Männern geben, so wird sich im Laufe des Films doch herauskristallisieren, dass der jugendliche Widersacher zumindest auf intellektuellem Niveau den Vergleich nicht zu scheuen braucht.

Branaghs visuelle Konzeption von 1 Mord für 2 weiß vor allem im ersten Drittel sehr zu überzeugen, denn er lässt den Zuschauer in keinem Moment darüber nachdenken, dass er eigentlich nur ein Kammerspiel zwischen zwei Personen verfolgt. Er zeigt uns die Konfrontation aus den unterschiedlichsten Kameraperspektiven, macht sich die zahlreichen Überwachungskameras und deren Monitore als Projektionsfläche des Geschehens zu Eigen und nutzt das grandiose Design des luxuriösen Eigenheims für ungewöhnliche und teilweise atemberaubende Einstellungen.

Zwar kann er dieses Konzept nicht den ganzen Film über aufrecht erhalten, zumal sich dieses mit der Zeit sicherlich abgenutzt hätte, aber das ist auch gar nicht weiter notwendig. Für die restliche Zeit kann sich Branagh bedenkenlos auf die witzig-süffisanten Dialoge Harold Pinters, das gelungene Knobelspiel Anthony Shaffers und die herausragenden Darstellerleistungen Caines und Laws verlassen. Der zweifache Oscar-Preisträger Caine braucht seine Kunst wahrlich nicht mehr unter Beweis zu stellen, aber das Stück liefert ohnehin dem Darsteller des Tindle die größeren Herausforderungen. Dass es Jude Law gelingt, diese mit Bravour zu meistern, qualifiziert ihn nun endgültig zum legitimen Nachfolger des großen Michael Caine. FB

USA 2007 (Sleuth) Regie: Kenneth Branagh. Buch: Harold Pinter. Mit: Sir Michael Caine, Jude Law, Harold Pinter. Concorde. 86 Min. Ab 20. Dezember im Kino.

 

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