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1. Mai

Die berüchtigten Kreuzberger Krawalle am 1.Mai aus der Perspektive von fünf unterschiedlichen Figuren, deren Erlebnisse drei zur selben Zeit, aber unabhängig voneinander stattfindende Episoden ergeben.


Polizist Uwe (Benjamin Höppner) ist wegen seines Liebeskummers die wandelnde Deeskalation – gerät zunächst in einem Bordell ins Hintertreffen, dann unter „friendly fire“ und scheitert schließlich damit, sich durch bullige Attitüden bei Freund und Feind den nötigen Respekt zu verschaffen. Der politisch nostalgische Alt-Sponti Harry (Peter Kurth) nimmt sich eines türkischen Jungen an, wobei er tragisch verkennt, dass Yavuz (Cemal Subasi) Gewaltausübung als Mittel zur Mannwerdung ansieht. Die Lust auf Gewalt entzweit auch die beiden Schulfreunde Jacob (Jacob Matschenz) und Pelle („Max-Ophüls“- und Grimme-Preisträger Ludwig Trepte), zwei jugendliche Krawalltouristen aus der Provinz, von denen einer maßlos übertreibt (den eigentlichen Grund dafür erfährt der Zuschauer zusammen mit dem Freund erst am Ende des Films).

'1. Mai' ist kein Episodenfilm im üblichen Sinne, bei dem mehrere Autoren und Regisseure ihre Geschichten eine nach der anderen erzählen, sondern ein gemeinschaftlich konzipiertes Projekt, bei dem die Episoden inhaltlich miteinander verwoben und im Schnittraum – bemerkenswert flüssig übrigens – zu einer Gesamthandlung montiert wurden.

Auf eine vierte Geschichte, die teilweise sogar schon gedreht war, wurde dann doch verzichtet, um den Film nicht zu überfrachten. Überfrachtung kann man dem Film in der Tat nicht vorwerfen, obgleich die anfänglich fast verspielt wirkende Stimmung im weiteren Handlungsverlauf immer düsterere Züge gewinnt (entsprechend dem Event, auf dem der Film basiert). Alle Episoden variieren das Thema Gewalt- und Machtausübung als Demonstration vermeintlicher Stärke und zeigen durchweg Männer, die sich eher am Rande des Geschehens aufhalten, aber meinen, sich und anderen etwas beweisen zu müssen.

Dass die Kreuzberger Demo kaum mehr als ein Aufhänger ist, mag angesichts vieler überraschender Wendungen verzeihlich sein – mehr jedenfalls als manche Stereotypen, die nicht gänzlich vermieden wurden. Max-Peter Heyne

D 2008. Regie: Sven Taddicken, Jakob Ziemnicki, Jan-Christoph Glaser, Carsten Ludwig. Buch: Michael Proehl, Oliver Ziegenbalg, Jakob Ziemnicki, Carsten Ludwig. Mit: Benjamin Höppner, Ludwig Trepte, Jacob Matschenz, Peter Kurth, Cemal Subasi, Hannah Herzsprung, Oktay Özdemir, Torsten Michaelis, Hinnerk Schönemann. Delphi. 95 Min. Ab 1. Mai 2008 im Kino.

 

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