Schon mit den ersten Einstellungen wird klar, welches berühmte Original hier als Vorbild für eine respektlose Parodie des bekannten Berliner Travestiekünstlers Ades Zabel herhalten musste: Agatha Christies pfiffige Rentner-Detektivin Miss Marple in der schrullig-kultigen Verkörperung durch Margaret Rutherford.
Zu fast schon vertraut wirkenden Klängen, die eben stark an Ron Goodwins berühmte Filmmusik zu den vier Spielfilmen der frühen 60er Jahre angelehnt sind, stapft hier Karin Höhne, pensionierte Lehrerin, mit ihrem Einkaufswägelchen durch die Großstadt. Als sie im Abteil einer vorbeifahrenden S-Bahn einen brutalen Mord beobachtet, ist Höhnes kriminalistischer Instinkt geweckt.
Die Spuren führen in das Friseurgeschäft Brüller, in dem kurz zuvor eine wertvolle Marlene-Dietrich-Perücke abhanden gekommen war. Vor Ort findet sich ein wahres Sammelsurium an merkwürdigen Gestalten, von denen noch einige ins Gras beißen und die anderen damit zu Hauptverdächtigen machen werden.
Stimmungsvoll in Schwarz-Weiß gedreht, liegt der größte Reiz an Jörn Hartmanns Genreparodie zweifellos am grandiosen Mienenspiel von Ades Zabel. Leider reicht das aber kaum für einen knapp zweistündigen Film aus. Im direkten Vergleich mit dem ganz ähnlich angelegten Oliver-Kalkofe-Erfolg Der Wixxer aus dem Jahr 2004 ist die Gag-Trefferquote auch viel zu gering.
Viele der Darsteller sind allzu offensichtlich blutige Laien, was natürlich den beabsichtigen Trash-Faktor um Einiges erhöht, die zäh fließende Handlung aber nicht gerade aufpeppt. Für den Normalzuschauer kaum empfehlenswert, wird sich 18.15 Uhr ab Ostkreuz als Krimi-Travestie im wahrsten Sinne des Wortes unter den Fans der Darsteller und in der Berliner Szene sicher genauso schnell wie der Vorgänger Mutti – Der Film zum Kult entwickeln. FB D 2006. Regie und Buch: Jörn Hartmann. Mit: Ades Zabel, Andreja Schneider, Dieter Bach, Pedro Sobisch, Bob Schneider, Stefan Kuschner, Eva Ebner, Irmgard Knef. 110 Min. Ab 6. April 2006 im Kino. |