
Rolf De Heer entführt uns mit seinem fantastisch bebilderten Film in den Alltag der Aborigines im nordaustralischen Arnhem.
Dabei geht es um das Jagen, traditionelle Rituale und nicht zuletzt um das Geschichtenerzählen, dem der Film in kunstvoll verschachtelten Storysegmenten Rechnung trägt.
Ein Geschichtenerzähler präsentiert mit viel Selbstironie seine Vorfahren bei der Gänsejagd und dem Kanubau, und berichtet davon, wie ein lediger junger Mann eifersüchtig auf seinen älteren Bruder wurde, weil dieser sogar drei Frauen sein eigen nennen konnte. Zur Belehrung illustriert der ältere Bruder das Dilemma wiederum an einer Geschichte, die ihrerseits noch viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht und von einem australischen Ureinwohnerstamm und deren Leben berichtet.
Die komplexe Erzählstruktur von 10 Kanus… symbolisiert die Zuneigung ihrer Macher zum Aborgine-Stamm der Yolngu, die der Ansicht sind, dass „eine gute Geschichte auch richtig erzählt werden muss“. Richtig heißt in diesem Fall auch mit der nötigen Ruhe und Zeit, keinesfalls überstürzt.
Rolf De Heer hat für die verschiedenen Ebenen der Handlung unterschiedliche visuelle Entsprechungen gefunden, weswegen man sich als Zuschauer trotz der ständigen Wechsel sehr gut zurechtfinden kann. Es ist sehr angenehm, mal einem Film zu begegnen, der den üblichen Seh- und Erzählgewohnheiten so extrem entgegenläuft.
10 Kanus… wurde mit Nachfahren der Yolngu-Leute gedreht, deren Geschichten Eingang ins Drehbuch fanden. Da es sich dabei größtenteils um Laienschauspieler handelt, macht De Heer aus diesem Umstand eine Tugend und erhebt die Naivität zu einem weiteren Stilprinzip. Die bewusst komischen Aspekte seines Films tragen auf unbekümmerte und irgendwie naturbelassene Weise zum Unterhaltungswert eines sehr interessanten Werkes bei. FB
AUS 2006 (Ten Canoes) Regie: Rolf De Heer, Peter Djigirr. Buch: Rolf De Heer. Mit: Crusoe Kurddal, Jamie Dayindi Gulpilil Dalaithngu, Richard Birrinbirrin, Peter Minygululu, David Gulpilil Ridjimiraril Dalaithngu. Alamode. 90 Min. Ab 9. August 2007 im Kino.
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