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Große Politik und kleine Tragödien in 430 Häppchen

Fast schon so alt wie die Berlinale, das größte internationale Filmfestival auf deutschem Boden überhaupt, sind auch die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen. Zum 54. Mal versammelten sich wieder Filmemacher aus der ganzen Welt (im Programm waren Werke aus knapp 80 Ländern zu sehen) in der Stadt im westlichen Ruhrgebiet, um in den verschiedenen Wettbewerbsprogrammen um die insgesamt 38.500 Euro Preisgeld zu konkurrieren. Insgesamt hatte man die zugelassenen Filme in allen Kategorien im Vergleich zum Vorjahr etwas reduziert, aber mit 430 Kurzfilmen war man in der Zeit vom 1. bis 6. Mai trotzdem gut ausgelastet.

Im Internationalen Wettbewerb bot sich mit 62 Beiträgen aus 42 Ländern eine breite, multikulturelle Vielfalt. Die fünfköpfige Jury verlieh den Großen Preis der Stadt Oberhausen an den australischen Film 'Chainsaw' von Dennis Tupicoff. In dem animierten Film geht es um das Reiten ohne Sattel, sowohl in als auch außerhalb der Rodeo-Arena. Die zwei Hauptpreise wurden osteuropäischen Produktionen zugesprochen, Radu Judes 'Alexandra' aus Rumänien und Alina Rudnitskayas 'Kak stat stervoi' ('Die Biester-Akademie') aus Russland. In den beiden ebenfalls fast halbstündigen Produktionen geht es um die Schwierigkeiten eines Vaters mit seiner kleinen Tochter respektive um eine neue Generation russischer Frauen, die mit Hilfe einer kapitalistisch geprägten Akademie den Aufstand gegen das Patriarchat proben wollen.


Chainsaw' von Dennis Tupicoff

Der Preis der Jury des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, mit 5.000 Euro Preisgeld ebenfalls einer der höchstdotierten der Kurzfilmtage, wurde der belgischen Produktion 'Parlez-moi d'amour' ('Erzähl' mir von der Liebe') von Alexia Bonta zugesprochen. In knappen 14 Minuten dokumentiert sie das Ende des Lebens zweier Frauen, die sich im Krankenhaus befinden. Doch es geht bei den Gesprächen nicht um Tod und Verfall, sondern um die Liebe und das, was zwei altersweise Personen darüber zu berichten haben.
Im Deutschen Wettbewerb ging der Hauptpreis an Eva Könnemanns 'Die Tragöden aus der Stadt'. Fabian Hinrichs ('Schussangst') probt darin als Schauspieler Passagen aus „Hamlet“ und stößt dabei immer wieder auf ungeklärte Fragen, die er mit seinem Regisseur (Laurent Chétouane) auf witzig-unkonventionelle Weise ausdiskutiert. Der spontane, teilweise improvisierte Humor und die sympathischen Darsteller machen den Film zu einer gelungenen Selbstreflexion fiktionaler Arbeit.


'Alexandra' von Radu Jude

Die aus Jungen und Mädchen im Alter zwischen neun und elf Jahren bestehende Jury des Kinderfilmwettbewerbs wählte den niederländischen Beitrag 'Koest!' ('Kusch!') zum Sieger dieser Sektion. Regisseurin Simone van Dusseldorp erzählt darin von einem vernachlässigten kleinen Jungen, der einen gefundenen Hund nicht behalten darf und daraufhin mit seiner Familie nur noch bellend kommuniziert. Teenager stellten die Jury des Jugendwettbewerbs und zeichneten Leonardo Cadavals 'Pajerama' als Siegerfilm aus. Das „audiovisuelle Meisterwerk“ (Jurybegründung) entwirft in animierten Bildern ganz ohne Worte den Gegensatz zwischen Zivilisation und Natur, indem der Film einem Indianer durch eine Reihe seltsamer Erlebnisse folgt.


'Kak stat stervoi' ('Die Biester-Akademie') von Alina Rudnitskaya

Alle weiteren Preisträger der 54. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen finden sich in unserem Forumsbeitrag zum Festival unter
http://www.filmforum.filmstart.biz/viewtopic.php?t=924. Frank Brenner

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