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Fiction is nich
Neues Dokumentarfilmfest im oberbayerischen Bad Aibling etabliert (26.-30.9.2007)


Im festival-unterversorgten Oberbayern, in Bad Aibling, wurde Ende September ein neues Festival für deutschsprachigen Dokumentarfilm etabliert: die „Nonfiktionale“.

Das Festival, dessen Kern ganz klassisch aus einem internationalen Wettbewerb besteht, soll künftig Branchentreffpunkt und lebendiges Publikumsfestival gleichermaßen sein, das nach den Vorführungen zu Diskussionen einlädt. Spielstätte ist das traditionsreiche 50er-Jahre Lindenkino der Stadt. Die Besonderheit: Das Festival will sich jedes Jahr unter einem anderen Motto präsentieren, das die Programmauswahl bestimmt und zu einem „inspirierenden, vielstimmigen Diskurs“ animieren soll.

Das Motto 2007 lautete: „Seelensucher – Menschenfresser“, die Beiträge beleuchteten die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Filmenden und Gefilmten: Auf welche Weise setzen Dokumentarfilmer die Geschichten ihrer Protagonisten um und um welchen Preis? Dennoch lag die Diskussionswürdigkeit von Beiträgen wie Was lebst Du? (2005) von Bettina Braun und Zirkus is nich (2007) von Astrid Schult – beides Dokumente über die Perspektivlosigkeit bzw. den sozialen Absturz von Kindern und Jugendlichen aus unterprivilegierten Haushalten – eher in dem begründet, was sie zeigen, nicht wie sie es zeigen. Ob ein wechselndes Motto als ein zusätzlicher Profilgeber also effektiv und notwendig ist, bleibt abzuwarten.

Mit dem Hauptpreis der Stadt Bad Aibling (Südbayern) in Höhe von € 2.000 wurde der Schweizer Dokumentarfilm Chrigu der Regisseure Jan Gassmann und Christian Ziörjen ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es der Film formuliere „das Lebensgefühl des Protagonisten und seiner Freunde rücksichtslos – auch rücksichtslos gegenüber stilistischen Brüchen“, so dass die Auseinandersetzung mit dem Tod „zu einer bewegend-wahrhaftigen und unsentimentalen Feier des Lebens“ werde. Die Jury belohnte damit das hohe Maß an Authentizität des Schweizer Wettbewerbsbeitrags.

Der ARRI-Kamerapreis in Form eines „Lighting Kit“, eines Lichtkoffers im Wert von € 2.000, ging an die österreichisch-italienische Koproduktion Babooska von Tizza Covi und Rainer Frimmel für das besondere Kamerakonzept des 16mm–Films über den Existenzkampf einer Artistengruppe in der Tradition des italienischen Realismus.

Das medienpädagogische Begleitprogramm bot Sondervorstellungen für Schüler und Filmkritikworkshops, um den Jugendlichen mittels einer „Sehschule“ „eine ebenso lustvolle wie erkenntnisreiche Auseinandersetzung mit Dokumentarfilmen, eine kritische Umgang mit Bildern und medialer Inszenierung“ zu vermitteln. Denn, so stellen die Veranstalter zu Recht fest, heben sich „Film und Fernsehen zu einer zentralen Sozial- und Bildungsinstanz für Kinder und Jugendliche entwickelt“. MPH

Struktur Nonfiktionale: Wettbewerb Dokumentarfilm, medienpädagogisches Begleitprogramm. Festivalleitung: Boris Tomschiczek.

Nonfiktionale e.V., c/o Dr. Tamara Daničić
Römerstr. 22, 80801 München, Fax: 089-743 734 82, Email: info@nonfiktionale.de


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