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Die Totengräber gehen um –
Filmemachen als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme: 41. Internationale Filmtage in Hof



Mittlerweile könnten schon die Enkel der Filmemacher der ersten Stunde nach Hof kommen. Denn zum 41. Mal fanden heuer die Internationalen Filmtage im oberfränkischen Städtchen statt, das immer Ende Oktober aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und zum Treffpunkt der deutschen Filmszene wird.

Aber zunächst machten noch einmal die Väter und Töchter Furore. Der Schauspieler und bekennende Schalke-Fan Peter Lohmeyer führte nicht nur die Filmemacher-Fußballmannschaft beim traditionellen Kick gegen eine Hofer Auswahl zum verdienten 3:2-Sieg, sondern bekam auch den Preis der Hofer Filmtage für seine Verdienste um den deutschen Film.

Und als „Gegengeschenk“ hatte er seine Tochter Lola Klamroth mitgebracht, die an seiner Seite ihre erste Hauptrolle in Ulrike von Ribbecks Spielfilm-Debüt Früher oder später spielte. Mit ihrem Charisma veredelte sie einen Film, der stellvertretend die Stärken und Schwächen des jungen deutschen Films in sich vereinigt. Eine nicht neue, aber stimmungsvoll fotografierte (Sonja Rom) – auch wenn sich die Kamera ein wenig zu oft um die Hauptdarstellerin dreht – Lolita-Geschichte wird durch ein überladenes Drehbuch beschwert. Als wäre das Schwärmen der 14jährigen nicht schon genug Kino-Stoff, muss ihr Vater auch noch berufliche Probleme und die Mutter ein Verhältnis mit einem Studenten haben.

Dasselbe gilt für Volker Einrauchs dritten Kinofilm Der andere Junge, in dem ein introvertierter 16jähriger den ihn quälenden Nachbarsjungen erschießt. Auch hier hat der Vater (wieder: Peter Lohmeyer) berufliche Probleme und dazu noch eine Geliebte. Aber auch hier haut allein die Präsenz des jungen Hauptdarstellers Willi Gerk diesen geradezu billig (Budget: 800.000 EURO) produzierten Film mit erstaunlicher Starbesetzung (Barbara Auer, Andrea Sawatzki, Christian Berkel) aus dem Mittelmaß heraus.

Die dritte Entdeckung des Festivals, die fast den ganzen Film rettet, ist Elinor Lüdde in Hagen Kellers Meer is nich: Als 17jährige Lena weiß sie zwar, was sie nicht will, sucht aber immer noch nach ihrer Passion, die sie dann im Schlagzeug-Lernen zu entdecken glaubt. Auch hier liegen die Probleme im Drehbuch, das sich nicht zwischen der Tochter-Elternbeziehung und der Geschichte der Mädchen-Band entscheiden kann. Und in der optischen Umsetzung: Nach ein paar stimmungsvollen Landschaftstotalen entlockt die Cinemascope-Kamera der wunderschönen Stadt Weimar lediglich ein paar immer wiederkehrende Bilder.

Wie bei den beiden anderen Filmen wird auch hier das vorhandene Kino-Potenzial leichtfertig verschenkt. Die TV-Redakteure räumen aus Produktionszeitdruck den Projekten zuwenig Entwicklungszeit ein. Die Förderanstalten kommen mit ihrem Gießkannen-Prinzip bei den Anträgen aus viel zu vielen Filmhochschulen hierzulande nicht mehr nach. Und die Produzenten sind meist nur Verwalter staatlicher Gelder ohne eigene künstlerische Visionen.

So wird Regie-Dilettantinnen wie Nicolette Krebitz (Das Herz ist ein dunkler Wald), spätpubertierenden Splatter-Fans wie Andy Fetscher (Bukarest Fleisch) und unausgegorenen Trash-Fantasien (Porno!Melo!Drama von Heesook Sohn) das Geld hinterher geworfen, während Filmen, die was zu erzählen haben – wie Martin Theo Kriegers Klau-Kinder-Drama Beautiful Bitch – durch Unterfinanzierung die mögliche Kino-Kraft beschnitten wird. So trägt man das ohnehin auf dem Siechenbett liegende deutsche Kino endgültig zu Grabe. RRH

 

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