Nachdem das Filmfest Hamburg in den letzten Jahren nicht eben von einem Publikumsansturm verwöhnt wurde, konnte die 15. Ausgabe einen 30-prozentigen Besucherzuwachs verzeichnen. Besonderes Publikumsinteresse fand der diesjährige Themenfokus „Migration – Filme aus Koffern“, der u.a. die Deutschlandpremiere der Verfilmung des autobiographischen Comicromans Persepolis der Iranerin Marjane Satrapi aufwies und mit Beiträgen wie Vienna’s Lost Daughters (Regie: Mirjam Unger) und Nömadak TX (Regie: Raúl de la Fuente) sehr persönliche Migrationsschicksale präsentierte.
Zum Abschluss des Festivals wurden folgende Preise vergeben:
- Der Preis der Hamburger Filmkritik (von „Der Spiegel“, „Stern“, „Hamburger Abendblatt“ und „NDR 90,3“) an den englischen Film Control (Regie: Anton Corbijn).
- Der in diesem Jahr erstmalig vergebene und mit 10.000 Euro dotierte „Montblanc Drehbuchpreis“ an einen Beitrag der Reihe „Nordlichter“ ging an Jan Hinrik Drevs’ Drehbuch zu dem Film Underdogs.
- Der zum zweiten Mal vergebene „micromovie-Award“ vom Spielfilmsender „DAS VIERTE“ ging an den Kurzfilm Unser Kind von Florian Siegrist (dotiert mit 4.444 Euro und Teilnahme an einem exklusiven Drehbuch-Workshop).
- Den mit 5.000 Euro dotierten „TV-Movie-Publikumspreis“ für einen Film aus der Sektion „eurovisuell“ erhielt der in Tschechien bereits sehr erfolgreiche Film Empties / Leergut des Regisseurs Jan Sverák (Kolya, 1997).
- Der von Universal Pictures Germany gestiftete „Michel“ für den besten Kinderfilm ging an den italienischen Film Rot wie der Himmel von Regisseur Cristiano Bortone.
- Bereits am zweiten Festivaltag erhielt der kanadische Regisseur David Cronenberg den diesjährigen Douglas-Sirk-Preis, der in Erinnerung an den deutschstämmigen, als Detlef Sierck gebrorenen US-Regisseur (La Habanera, 1937) jedes Jahr an eine Persönlichkeit verleihen wird, „die sich durch ihre Arbeit um die Filmkultur verdient gemacht hat“.
Das Profil des Hamburger Filmfestes ist mit 141 Spiel- und Dokumentarfilme aus 43 Ländern – positiv formuliert – sehr facettenreich, doch tendiert angesichts von acht verschiedenen Programmreihen bedenklich in Richtung Beliebigkeit. Langfristig ein Problem, unter dem auch das Münchener Pendant bereits leidet, ohne dass beide Filmfeste eine „Berlinale“ wären, deren bunter Gemüsegarten als wichtige und notwendige Wettbewerbsergänzung wahrgenommen wird.
Zudem bestand das Hauptprogramm in diesem Jahr aus einer Vielzahl von Vorpremieren nationaler und internationaler Produktionen, die in den nächsten Wochen und Monaten ohnehin in die deutschen Kinos kommen (z.B. Odette Toulemonde, Control, Die 3 Räuber, Die drei ???, Eastern Promises, Nichts als Gespenster, Immer nie am Meer), was den Status einer Entdeckungsbörse deutlich schmälerte. Faiererweise muss gesagt werden, dass mit einem relativ schmalen Budget von rund 1 Mio. Euro das Filmfest keine Reserven hat, um die immer teureren Einkaufsgebühren hinzublättern, die von Verleihern inzwischen für große internationale Produktionen verlangt werden.
Zu den mehr als 200 Filmschaffenden, die zwischen 27. September bis 4. Oktober auf dem 15. Filmfest Hamburg zu Gast waren, zählten David Cronenberg, Anton Corbijn und Alexandra Maria Lara (Regie von bzw. Darstellerin in Control), Eric-Emmanuel Schmitt (Regie bei Odette Toulemonde), Masahiro Kobayashi (Regie vom japanischen Familiendrama The Rebirth), Jan Josef Liefers (Regie und Darsteller der melancholischen Komödie Bis zum Ellenbogen), Nina Petri und Jan Gregor Kremp (Darsteller in Der blinde Fleck), Martin Gypkens, Jessica Schwarz, Fritzi Haberlandt, August Diehl, Janek Rieke (Regie bzw. Darsteller in der Literatur-Episodenverfilmung Nichts als Gespenster), Lisa Martinek, Christoph Waltz, Tim Bergmann und Hannelore Hoger (Darsteller in der Neuverfilmung von Die Zürcher Verlobung), Xaver Schwarzenberger (Regie von Copacabana), Matthias Glasner, Barbara Auer, Jördis Triebel, Jannis Michel (Regie bzw. Darsteller Eine gute Mutter) und - unter begeistertem Kinderjubel - Heike Makatsch, die das parallel stattfindende, fünfte KinderFilmfest Hamburg eröffnete.
Struktur Filmfest Hamburg 2007: - Agenda 07 (allgemeines Festivalprogramm mit einem „Spektrum politischer, gesellschaftlicher und sozialer Themen“), - Nordlichter (Schaufenster für Spiel- und Dokumentarfilme aus Hamburg und Schleswig Holstein), - Vitrina (aktuelle Filmproduktionen aus spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern), - Voilà! (aktuelle Filmproduktionen aus Frankreich oder dem französischen Kulturkreis), - TV Spielfilme im Kino (aktuelle deutsche Fernsehproduktionen präsentiert), - eurovisuell (die größten Publikumserfolge aus verschiedenen europäischen Ländern), - Belgien Deluxe (Filmklassiker aus einem jährlich wechselnden Land) , - KinderFilmfest (deutsche und internationale Spiel- und Animationsfilme), - Fokus: „Migration“. Rahmenprogramm u.a. „Studio Hamburg Filmtalk“ (Regisseure hautnah), „Kopfkino“ für die Ohren (Filmklassiker als Hörbücher), Drehbuchrevue (Lesungen aus verfilmten und unverfilmten Drehbüchern). MPH
Filmfest Hamburg GmbH, Steintorweg 4, 20099 Hamburg / Postfach 102211, 20015 Hamburg, Tel. 040-399 19 000, Fax: 040-399 19 0010, Email: info@filmfesthamburg.de
Festivalleiter: Albert Wiederspiel.
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