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Shine a Light – Die Rentner-Gang
Einen solchen Auftakt hat die Berlinale lange nicht mehr erlebt – Regielegende Martin Scorsese stellte seine Dokumentation über ein Konzert der gleichfalls legendären Rockgruppe 'Rolling Stones' vor.



Bringen ihre Fans überall auf Touren: Mick Jagger, Ronnie Wood, Keith Richards und Charlie Watts

Noch nie zuvor hatte ein Dokumentarfilm das renommierte Festival eröffnet. Der New Yorker Filmemacher und die britischen Rocker brachten den Raum der Pressekonferenz im Hyatt Hotel am Potsdamer Platz schon eine Stunde vor Beginn zum Überlaufen. Auch am Abend zur Galavorstellung des Films war der Marlene-Dietrich-Platz vor dem Berlinalepalast brechend gefüllt mit Fans, die von den Stones allerdings weitgehend enttäuscht wurden. Nur Mick Jagger nahm sich minimal Zeit, das eine oder andere Autogramm zu schreiben, seine Bandkollegen Keith Richards im gewohnten Piratenlook, Ronnie Wood und Charlie Watts wandten sich direkt dem Blitzlichtgewitter und den Fragen der Journalisten auf dem Roten Teppich zu und ließen ihre mit Stones-Flagge und Spruchbänder wartenden Anhänger sprichwörtlich links liegen. Dennoch kann ein Auftakt mit so viel Prominenz nur ein gutes Zeichen für ein paar spannende und interessante Berlinale-Tage sein.

Im Herbst 2006 gaben die legendären Rockmusiker im New Yorker Beacon Theatre drei Konzerte, u. a. zu Ehren des 60. Geburtstags von Ex-US-Präsident Bill Clinton. Musikexperte und Stones-Liebhaber Martin Scorsese hat die Mitschnitte zu einem Musikfilm der etwas anderen Art gemacht.

Von Martin Scorsese kann man natürlich etwas Besonderes erwarten, wenn von ihm ein neuer Musikfilm auf die großen Leinwände kommt. Schon mit The Last Waltz über 'The Band' oder No Direction Home über Bob Dylan hat er amerikanischen Rocklegenden ein Denkmal gesetzt; mit der von ihm initiierten und produzierten Reihe „The Blues“ hat er das Genre der Musikdokumentationen abermals bereichert.

Wenn er sich nun seiner erklärten Lieblingsband, den weltbekannten Stones, annimmt, deren Songs auch in Scorseses Spielfilmen stets an dramaturgisch wichtigen Stellen eingesetzt wurden, kann man schon ein bestechendes Ergebnis erwarten. Die Auftaktsequenz ist schon zum Brüllen komisch, prallen darin mit Scorseses Vorstellungen und Mick Jaggers Ansichten zwei konträre und scheinbar unvereinbare Egos aufeinander. Wie Scorsese diese haarsträubende Organisation als Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit an dem Filmprojekt Shine a Light schildert, hat eine ganze Menge vom verspielten Witz seines New Yorker Regiekollegen Woody Allen, dem Scorsese nicht nur durch die dicke Hornbrille zu ähneln scheint.


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Sobald jedoch die chaotische Vorbereitungsphase hinlänglich dokumentiert ist, widmet sich der Regisseur voll und ganz seinem lohnenswerten Dokumentationsgegenstand, den Rolling Stones. Diese ziehen während ihrer Performance eine dermaßen energiegeladene und musikalisch mitreißende Show ab, dass so mancher jüngere Musikerkollege, der noch nicht auf 40 Jahre Konzertleben zurückblicken kann, vor Neid erblassen dürfte.

Scorsese hat an geeigneten Stellen immer wieder ältere Interviewpassagen der Bandmitglieder zwischengeschnitten, in denen diese sich in mal den frühen 60er Jahren noch ein gutes weiteres Jahr in der Entertainmentbranche prophezeien, oder sich mal in den 70er Jahren durchaus zutrauen, auch mit 60 Jahren noch den gleichen Beruf auszuüben. Dass ihnen das mittlerweile auf geradezu beeindruckende Weise gelungen ist, wissen Fans natürlich schon lange. Shine a Light legt davon aber einmal mehr ein beredtes Zeugnis ab. Frank Brenner

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