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Fazit der Berlinale 2008
Viele große Stars, nur wenig große Filme



Hätte sicher auch gerne den Goldenen Bären mit nach Hause genommen: 'There Will Be Blood'-Regisseur Paul Thomas Anderson mit zwei Silbernen

Am Abend des 16. Februar gingen die sehr durchwachsenen 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin mit der Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären zu Ende.

Starrummel um die medienwirksamen Auftritte der Rolling Stones zu Beginn des Festivals, Massenandrang bei Madonna oder den Filmschönheiten Penélope Cruz, Scarlett Johansson und Natalie Portman konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass während der zehn Tage vielerorts der Mangel filmischer Highlights beklagt wurde. Einer der wenigen Favoriten, Paul Thomas Andersons 'There Will Be Blood', der seit vergangenem Donnerstag auch schon bundesweit im Kino angelaufen ist, erhielt dann auch verständlicherweise gleich zwei Bären – einen konnte der Regisseur entgegennehmen, den anderen hatte sich Jonny Greenwood mit seinem suggestiven, ungewöhnlichen Soundtrack redlich verdient (Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung).


Goldjunge aus Brasilien: Regisseur José Padilha freut sich über den Goldenen Bären für 'Tropa de Elite'

Über den Goldenen Bären für den brasilianischen Beitrag 'Tropa de Elite' von José Padilha war die Kritikerschar allerdings einigermaßen gespalten. Einige bemängelten die Unentschlossenheit zwischen Dokumentar- und Spielfilm, für andere war die Geschichte um den Kampf einer Polizei-Eliteeinheit gegen die Drogenbosse der brasilianischen Slums ein authentisches Zeitgemälde und einer der wenigen gelungenen politischen Filme des Festivals.


Regisseur Errol Morris und Schauspieler Reza Najie

Da der diesjährige Jurypräsident Constantin Costa-Gavras selbst ein Aushängeschild des Politkinos ist, verwundert es nicht, dass auch der zweite Hauptpreis, der große Preis der Jury in Form eines Silbernen Bären, an einen politischen Film ging: Errol Morris’ 'Standard Operating Procedure'. Der erste Dokumentarfilm im Wettbewerb in der Geschichte der Berlinale rekonstruiert in Interviewszenen den Folterskandal im irakischen US-Militärgefängnis Abu Ghraib.

Bei den Darstellerpreisen bewies die Jury ein äußerst glückliches Händchen und sorgte trotzdem für Überraschungen. Nicht der bereits mit Preisen überschüttete und heiß favorisierte Daniel Day-Lewis erhielt die Auszeichnung für 'There Will Be Blood', sondern der iranische Mime Reza Najie für Majid Majidis 'Avaze Gonjeshk-ha' ('The Song of the Sparrows'). Seine rührenden Bemühungen, als gefeuerter Straußpfleger nun sein Geld als Motorradtaxifahrer zu verdienen, sind witzig und tief schürfend zugleich.


Schauspielerin Sally Hawkins und Drehbuchautor Wang Xiaoshuai

Auch der Silberne Bär für die beste Darstellerin ging an eine äußerst liebenswerte Figur: Poppy hat ständig gute Laune und lässt sich von absolut nichts unterkriegen. Sally Hawkins wurde dieser Preis für ihre Rolle in 'Happy-Go-Lucky' zugesprochen. Sie setzte sich damit gegen die ebenfalls hoch gehandelten Aktricen Tilda Swinton ('Julia') und Kristin Scott Thomas ('Il y a longtemps que je t’aime') durch. Das beste Drehbuch schrieb nach Meinung der internationalen Jury der Chinese Wang Xiaoshuai für den Film 'Zuo You' ('In Love We Trust'), bei dem es um eine lebensrettende Knochenmarktransplantation für ein an Leukämie erkranktes Kind geht.


Regisseur Fernando Eimbcke und Regie-Debütant Kumasaka Izuru

Neue Perspektiven der Filmkunst erkannten die Juroren in Fernando Eimbckes 'Lake Tahoe', der dafür mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet wurde. Als bester Erstlingsfilm erhielt schließlich noch Kumasaka Izuru für 'Asyl – Park and Love Hotel' den entsprechenden, mit 50.000 Euro dotierten Preis. Frank Brenner

 

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