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'Transsiberian', 'Boy A' und 'Derek'
Ein Tag mit dem Panorama-Programm



Ich trag Glatze und das ist auch gut so: Thomas Kretschmann und Sir Ben Kingsley als dubiose russische Polizisten in 'Transsiberian' und "ganz privat" auf der Berlinale

Mit großem Staraufgebot stellte Regisseur Brad Anderson ('The Machinist') auch seinen neuen Film 'Transsiberian' wieder im Panorama-Programm der Berlinale vor. Doch wer sich vor vier Jahren durch die Nerven zerrende Spannung des klaustrophobischen Thrillers mit einem erschreckend abgemagerten Christian Bale gefangen nehmen ließ, war wahrscheinlich von Andersons neuem Werk einigermaßen enttäuscht. Auch hier versucht er wieder, eine mysteriöse Spannung aufzubauen, der diesmal eine junge Frau ausgeliefert ist. Emily Mortimer spielt die Amerikanerin Jessie, die zusammen mit ihrem Freund Roy (Woody Harrelson) eine Reise mit dem Transsibirien-Express unternimmt. Im Abteil machen sie die Bekanntschaft mit einem weiteren Paar, Carlos (Eduardo Noriega) und Abby (Kate Mara), die sich recht geheimnisvoll geben. Carlos scheint auch vor seiner Freundin Geheimnisse zu haben, diese wiederum ist generell ziemlich mundfaul und verschlossen. Bei einem Zwischenstopp an einem Bahnhof ist Roy plötzlich nicht mehr an Bord des Zuges und Jessie weiß bald nicht mehr, ob sie ihren neuen Bekannten noch trauen kann.

Wenngleich es Anderson manchmal recht effektvoll gelingt, Hitchcock-Spannung in die Geschichte einzubauen, ist sie doch mitunter ziemlich langatmig geraten. Auch die stereotype Darstellung so mancher Figur ist eher ärgerlich. Sir Ben Kingsley und der Deutsche Thomas Kretschmann holen aus ihren Rollen als dubiose russische Polizeibeamte dennoch eine ganze Menge heraus. Dem „Maschinisten“ kann Andersons Neuer trotzdem nicht das Wasser reichen.

Gangster und Verbrecher bevölkern seit Anbeginn des Kinos die Leinwände. Oftmals wurde ihr Leben in der Schattenwelt glorifiziert und mit Action, Spannung und Abenteuer gleichgesetzt. Weit weniger oft blicken Filmemacher hinter die Kulissen und nehmen sich des Lebens von Kriminellen an, die nach ihrer Haftentlassung oftmals große Schwierigkeiten haben, sich im „wirklichen Leben“ nach Jahren der Isolation wieder zurecht zu finden. 'The Woodsman' mit Kevin Bacon hat davon ein eindrucksvolles Zeugnis abgelegt, nun legt John Crowley mit 'Boy A' auf ebenso intensive Weise nach.

Selbst noch ein Kind, hat Eric mit seinem besten Freund Philip ein Verbrechen begangen, das ihm die Höchststrafe der Jugendhaft einbrachte. Philip starb noch während der Strafe, an den vermeintlichen Selbstmord jedoch möchte Eric nicht so recht glauben. Als er nun wieder in die Freiheit entlassen wird, wird Eric zum Schutz eine neue Identität gegeben, ab sofort ist er Jack. Mit Hilfe seines Onkels, eines Sozialarbeiters, findet er schon schnell eine Arbeit, neue Freunde und schließlich sogar eine junge Frau, die sich in den schüchternen und zurückhaltenden jungen Mann verliebt. Doch die Vergangenheit droht Jack auch in seinem neuen Leben wieder einzuholen.

Die zerbrechliche Interpretation Andrew Garfields in der Rolle Jacks trägt einen Großteil zum Gelingen dieses ursprünglich fürs britische Fernsehen produzierten Films bei. Seine Unsicherheit und Behutsamkeit im Umgang mit seinen Mitmenschen ist überaus glaubwürdig und unterstreicht die Wandlung, die der Junge während seiner Haftzeit durchlaufen hat. In Rückblenden zeigt der Regisseur, was damals vorgefallen war. So lernt der Zuschauer zwei sehr unterschiedliche Facetten einer Persönlichkeit kennen und bekommt Einblicke in die mühsame Reintegration eines Straftäters.


Hommage an einen fast vergessenen Künstler: Regisseur Isaac Julien und Muse Tilda Swinton an Derek Jarmans Grab

In den 70er Jahren avancierte der Experimentalfilmer und Künstler Derek Jarman (1942-1994) zu einer der Galionsfiguren der britischen Schwulenszene. In Filmen wie 'Sebastiane' oder 'Jubilee' stieß er sein Publikum vor den Kopf, in den 80er Jahren schließlich wurde er zu einem der konsequentesten Kritiker der Thatcher-Regierung. Schon früh thematisierte er seine eigene HIV-Infektion und anschließende AIDS-Erkrankung, der er 1994 erlag. Kurz zuvor hatte er mit 'Blue' seinen letzten Film gedreht, der dieser Tage auch wieder im Kino ausgewertet wird. Tilda Swinton, Jarmans größte Muse, die durch seine Filme zu internationaler Popularität gelangte, die sie in den letzten Jahren mit großen Hollywoodproduktionen ('Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia') und niveauvollen Kritikerlieblingen ('Michael Clayton') ausbauen konnte, macht sich in Derek zusammen mit dem Regisseur Isaac Julien ('Looking for Langston') daran, die Bedeutung Jarmans und die Lücke, die er hinterlassen hat, zu untersuchen.

Sie stützen sich dabei in erster Linie auf ein ausführliches Interview, das Jarman im Jahr 1990 fürs britische Fernsehen gegeben hatte und in dem er detailliert seinen Werdegang rekonstruierte. Zusätzlich zu dieser chronologischen Abhandlung werden immer wieder Szenen aus seinen Filmen und privates Super-8-Material eingeflochten und mit persönlichen Gedanken Swintons abgerundet, die durch das London des 21. Jahrhunderts streift und feststellen muss, dass Jarman trotz des immensen Œuvres, das er hinterlassen hat, doch irgendwie aus der Wahrnehmung verschwunden ist.

Für Fans des Regisseurs kann Derek zwar relativ wenig Neues bieten, aber als Appetitmacher für neue Anhänger seiner Arbeiten liefert dieser liebevoll zusammengestellte Dokumentarfilm genügend Futter und Anregungen. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass seine Werke weiterhin auf DVD veröffentlicht und auch immer wieder auf die große Leinwand zurückgeholt werden. Frank Brenner

 

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