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Der Hals der Giraffe


Erinnern Sie sich noch an jene wunderbare Freundschaft zwischen dem alten Mann und dem kleinen Mädchen in 'Der Schmetterling'? Sollte dieser Film ihr Herz berührt haben, dann halten Sie es jetzt fest – es könnte ihnen „wegschmelzen“ in Safy Nebbous autobiografisch gefärbtem Spielfilm-Debüt 'Der Hals der Giraffe'.

Als die neunjährige Mathilde (Louisa Pili) einen Stapel ungeöffneter Briefe entdeckt und so erfährt, dass ihre angeblich verstorbene Oma noch lebt, „nötigt“ sie ihren Opa (Claude Rich), sich mit ihr auf den Weg nach Biarritz zu machen, wo damals in der großelterlichen Buchhandlung „Der Hals der Giraffe“ alles begann. Und auch Mathildes allein erziehende Mutter (Sandrine Bonnaire) macht sich notgedrungen auf den Weg zu ihrer verdrängten Vergangenheit...

Es wird ein Roadmovie der äußeren und inneren Bewegung. Safy Nebbous Skript gerät unter der Supervision der erfahrenen Drehbuchautorin Danièle Thompson zu einer psychologisch einfühlsam erzählten Geschichte über Liebe, Tod und Versöhnung. In wundervoll komponierten Bildern aufgenommen (Kamera: Romain Winding) und unterlegt von einem stimmungsvollen Soundtrack (Pascal Gaigne), der die Seelenzustände der Protagonisten unaufdringlich begleitet. Trotz aller zwischenmenschlichen Tragik ist der Film immer durchzogen von einem lebensnahen Humor, der auch schon mal chaplineske Formen annimmt.

Die große Entdeckung aber ist Louisa Pili, die ihre von kindlicher Neugier und anpackender Lebenstüchtigkeit geprägte Rolle nie zur nervenden „Altklugheit“ verkommen lässt. Sie ist ihrem Film-Opa jederzeit eine gleichberechtigte Partnerin. Und Claude Rich, der Alt-Star der „Nouvelle Vague“, erlebt hier geradezu ein schauspielerisches Déjà-vu: Vor fast 40 Jahren spielte er in Alain Resnais’ Meisterwerk 'Ich liebe Dich, ich liebe Dich' schon einmal einen Mann, der seine große Liebe unwiderruflich verloren hat. Zwischen all diesen wunderbaren Schauspielern strahlt auch noch die Leinwandpräsenz der sich unprätentiös ins Ensemble einfügenden Sandrine Bonnaire. Ihre Begegnung mit der tot geglaubten Mutter gehört dann auch zu den ergreifendsten – und zugleich überraschendsten – Momenten dieser an Poesie und Wahrhaftigkeit reichen Tragikomödie. Rolf-Rüdiger Hamacher

F/B 2004 (Le cou de la girafe) Regie: Safy Nebbou. Mit: Sandrine Bonnaire, Claude Rich, Louisa Pili, Darry Cowl, Maurice Chevit, Philippe Leroy-Beaulieu, Monique Mélinand. Schwarz Weiss. 84 Min. (Spr.: D/F [DD 5.1 und 2.0], Widescreen) Ab 21. März 2008 im Handel.

 

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