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Alexander Kluge Box


In den 60er, 70er und 80er Jahren war Alexander Kluge neben Rainer Werner Fassbinder und Jean-Marie Straub sicher einer der ungewöhnlichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films und zeichnete sich auch durch seine theoretische und schriftliche Arbeit zu Film und Kino aus.

Diese Arbeit hat er ab 1987 vor allem mit den Fernsehproduktionen seiner Firma dctp, die sich als Steuer begünstigendes, hochintellektuelles Nischenprogramm in die Niederungen des Privatfernsehens einnisten konnte, fortgesetzt.

Seine Arbeit wurde im April mit dem großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, nun erscheint anlässlich seines 75. Geburtstags im Februar dieses Jahres die überdimensionale DVD-Box „Sämtliche Kinofilme“, die auf 16 DVDs neben den 16 langen Spielfilmen bis 1986 auch 40 Kurzfilme aus den Jahren 1961 bis 2006 präsentiert, darunter seinen Debütfilm Brutalität in Stein über den Zusammenhang von Naziarchitektur und -machtstruktur.

Damit kann man sich wohl bis zum Jahresende im Zimmer einschließen und dem Filmwerk Kluges widmen. Filme wie Abschied von Gestern, Gelegenheitsarbeit einer Sklavin, In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod oder Der starke Ferdinand sind nur bedingt Erzählkino, eher sind es aus Splittern der Realität zusammengesetzte Werke aus Bildern unterschiedlichster Quellen, Dialogen, Off-Kommentaren oder Schrifttafeln.

Meist konstruiert Kluge ein Gemisch aus Spiel- und Dokumentarfilm, das mit einem eigentümlichen Sprachduktus spielt, Gedanken, Kommentare, Zitate und Verweise einbaut und sich wie in Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos gerne selbstreflexiv gibt. Die Montage erscheint mitunter assoziativ, Filmreste werden nicht selten zu neuen Filmen montiert. Nicht zuletzt dieser collagenhafte, „multimediale“ Charakter von Kluges Werk deutet auf dessen großes Vorbild Jean-Luc Godard hin, den er in dem TV-Interview Blinde Liebe von 2001, in der Edition ebenfalls enthalten, respektvoll interviewt.

Die mustergültige Box wird durch einen Rom-Bereich mit Textdokumenten und dem 112-seitiges Buch „Neonröhren des Himmels. Ein Filmalbum“ mit Einzelkommentaren von Kluge zu den Filmen ergänzt. CM

D 1961-2006. Regie: Alexander Kluge. Zweitausendeins. 2.053 Min. (Spr: D; UT: GB/E/F/CHN/R; Bonus: zahlreiche Kurz- und Kürzestfilme, Buch „Neonröhren des Himmels“, umfangreicher DVD-ROM-Teil) Bereits erhältlich, exklusiv bei Zweitausendeins.

 

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