Die Gestaltung eines Nachschlagewerks zum Film ist ein höchst komplexes und fast schon gefährliches Unterfangen. Nicht zuletzt, weil das Wort Lexikon immer auch so etwas wie Vollständigkeit suggeriert.
Und die ist bei der Unmenge an Filmen, die seit der Erfindung des bewegten Bildes rund um den Globus entstanden, zumindest in gedruckter Form nicht mal mehr ansatzweise zu leisten. Für jeden Cineasten ist deshalb die Internet Movie Database (IMDb), auch wenn diese ob ihrer unüberschaubaren Größe Probleme der ganz anderen Art mit sich bringt, als Informationsquelle kaum mehr zu ersetzen.
Für den Hausgebrauch werden kleinere Filmlexika wegen ihrer relativen Übersichtlichkeit und vor allem wegen ihrer inhaltlichen Kompetenz trotzdem noch lange ihre Existenzberechtigung behalten.
Herausgeber Michael Töteberg geht mit der Neuauflage des Metzler Filmlexikon den Weg der Auswahl nach dem Prinzip der „wichtigsten Filme“ – und stampft die internationale Filmgeschichte auf 500 Werke ein. 500 Filme, von den Anfängen der Stummfilmzeit bis zur brandaktuellen Digital-Produktion, das klingt erstmal nach recht wenig.
Dennoch wird das Nachschlagewerk nahezu jeder denkbaren Nutzung gerecht. Denn der Herausgeber zeichnet vor allem den hierzulande geltenden Kanon der Filmklassiker nach und erweitert diesen durch einige aktuellere, auch durch ihren kommerziellen Erfolg zu Bedeutung gelangten Produktionen.
Beim Durchblättern ergeben sich dadurch Kombinationen wie Emir Kusturicas Time of the Gypsies von 1989, gefolgt von James Camerons Überflieger Titanic und im Anschluss daran Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein von 1941.
Metzlers Taschenbuchlexikon gehört zweifellos zu den Filmbüchern, die bei jedem Filminteressierten sofortige „Will ich haben”-Anwandlungen auslösen. Und das zurecht, denn es ist zweifelsohne auf höchstem Niveau recherchiert, durchweg eingängig formuliert und prall gefüllt mit jeder Menge relevanter Information.
Wer ein Nachschlagewerk sucht, in dem alle Kinoproduktionen enthalten sind, die für ein umfassendes filmhistorisches, -ästhetisches und -pädagogisches Wissen die Grundlage bilden, ist mit diesem durchweg soliden und zweifellos besten Nachschlagewerk seiner Preisklasse, hervorragend bedient. AW
(Michael Töteberg (Hrsg.): „Metzler Film Lexikon“, 776 Seiten, J.B. Metzler Verlag 2005, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, EUR 29,95)
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