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Japan – Die Monsterinsel


Welcher gestandene Mann hat als kleiner Junge nicht einmal mit offenem Mund einen japanischen Monsterfilm in seinem Programmkino oder bei einer der unzähligen Wiederholungen im Privatfernsehen gesehen?

Die Faszination für die Männer in den Gummikostümen, die Modellstädte niedertrampeln, bleibt bei so manchem Bewunderer gar ein Leben lang erhalten.

Jörg Buttgereit, der mit seinen eigenen Filmen (Nekromantik 1+2, Blutige Exzesse im Führerbunker) bereits Trashfilmgeschichte geschrieben hat, widmet sich in seinem Sammelband dem „Kaiju Eiga“, also eben jenem Riesenmonster-Filmgenre, das mittlerweile seit über 50 Jahren in Japan für klingende Kassen sorgt.

Zusammen mit einigen in der Materie ebenfalls gut bewanderten Kollegen wie Christian Keßler oder Bodo Traber hat Buttgereit die Geschichte des Genres anhand einer recht ausführlichen Vorstellung seiner verschiedenen Beiträge nachgezeichnet. Von den knapp siebzig in gewitztem Plauderton vorgestellten Filmen entfällt fast die Hälfte auf die Leinwandauftritte Godzillas, der seit seinem Debüt im Jahr 1954 als Allegorie für die Atombombenabwürfe auf Japan während des Zweiten Weltkriegs gedeutet wurde.

Im Laufe seiner Karriere entwickelte sich Godzilla von der todbringenden Gefahr zum Beschützer Japans und wieder zurück zum Landesfeind (in einem der neuesten Filme, Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack, versuchen gleich drei andere Riesenmonster, Godzilla ins Jenseits zu befördern und damit die Menschheit zu retten) – zwischendurch wurde er vom Deutschen Roland Emmerich sogar zum Hollywood-Monster transformiert.

Ebenfalls komplett abgedeckt wird die wesentlich kindertümlichere Gamera-Reihe, die hierzulande weit weniger erfolgreich lief. Aber auch die meisten anderen Riesenungeheuer aus Nippon werden in dem mit 32 üppigen Farbseiten bebilderten Nachschlagewerk eingehend vorgestellt.

Abgerundet werden die Besprechungen jeweils mit einem Hinweis auf die Verfügbarkeit der Filme auf DVD (inklusive Bewertung der Bild- und Tonqualitäten). Besonders lesenswert sind darüber hinaus die Interviews, die Buttgereit im Laufe der Jahre mit Toho-Mitarbeitern führte und die eine Innenansicht der Produktionsbedingungen ermöglichen. FB

(Jörg Buttgereit & Freunde: „Japan – Die Monsterinsel“, 256 Seiten, Martin Schmitz Verlag 2006, EUR 24,50)

 

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