Wenn das deutsche Kino in den vergangenen 50 Jahren Kassenhits produzierte, konnte man im Vorspann häufig den Namen Horst Wendlandts lesen. Der findige Produzent (1922-2002) verstand es wie kaum ein Zweiter, den Massengeschmack der Zeit zu erkennen und stets aufs Neue mit routinierten, aber handwerklich professionell gemachten Filmen zu versorgen.
Nach seinen Anfängen bei der CCC-Film Artur Brauners fand er schließlich als Geschäftsführer der Rialto-Filmproduktion seine wahre Bestimmung. Mit den Edgar-Wallace-Verfilmungen machte er sich schnell einen Namen, die Werke werden auch heute noch in ihren endlosen Fernsehwiederholungen kultisch verehrt.
Aber Wendlandt war auch der Mann hinter den Winnetou-Verfilmungen mit Pierre Brice, produzierte Kinohits mit Heinz Erhardt, Bud Spencer & Terence Hill, arbeitete mit Rainer Werner Fassbinder und erzielte die größten deutschen Kassenerfolge der 80er und 90er Jahre mit den Leinwandabenteuern von Otto Waalkes, Loriot und Hape Kerkeling.
Jenem deutschen Player hat Dona Kujacinski nun eine monumentale Biografie gewidmet, die auf ihren über 500 Seiten mit ca. 400 Fotos aufwarten kann und somit die Erfolgsstory auf ultimative Weise in zeitgeschichtlichen Dokumenten, Szenenfotos, Privataufnahmen und Statements von Weggefährten und Mitarbeitern festhält. Für den Fan des deutschen Genrekinos lässt das Buch keine Wünsche offen. Selbst die Erfolgsgeschichte des ebenfalls von Horst Wendlandt gegründeten Tobis-Filmverleihs wird im Anhang von 1972 bis 1999 akribisch rekonstruiert.
Edgar-Wallace-Fans sollten sich übrigens auch die bereits im Dezember 2005 erschienene Biografie „Sir John jagt den Hexer“ von Andreas Neumann nicht entgehen lassen. Der auch als Fernsehparodist in Erscheinung getretene Autor widmet sich in dem üppig bebilderten Band dem Leben Siegfried Schürenbergs, der in Wendlandts Erfolgsfilmen als skurriler Scotland-Yard-Chef die Rolle seines Lebens verkörperte.
Schürenberg wurde trotz seiner prägnanten Filmrollen nie ein richtiger Star, machte aus seinem Privatleben, das reich an Schicksalsschlägen war, immer ein großes Geheimnis. Neumann fand in den letzten Lebensjahren des Schauspielers und Synchronsprechers (u.a. Clark Gable in Vom Winde verweht) einen Zugang zum Privatmenschen, den er in seiner Biografie eindrucksvoll vermitteln kann. Auch die Informationen und Hintergrundberichte, die er zu den rund 75 Filmauftritten Schürenbergs zusammengetragen hat, machen das Buch zu einer gehaltvollen Lektüre. FB
(Andreas Neumann: „Sir John jagt den Hexer – Siegfried Schürenberg und die Edgar-Wallace-Filme“, 256 Seiten, Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag Berlin 2005, EUR 19,90;
Dona Kujacinski: „Horst Wendlandt – Der Mann, der Winnetou & Edgar Wallace, Bud Spencer & Terence Hill, Otto & Loriot ins Kino brachte“, 544 Seiten, Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag Berlin 2006, EUR 24,90)
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